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Altersdifferenzen der Emotionsregulation von Lehrkräften bei belastenden Unterrichtssituationen

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2005 bis 2011
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 12693162
 
Erstellungsjahr 2011

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Von Lehrkräften wird erwartet, dass sie nicht nur das Verhalten, die kognitiven Leistungen und die Emotionen ihrer Schülerinnen und Schüler im Zaum halten können, sondern insbesondere auch ihre eigenen Emotionen. Im Unterricht treten oft emotional belastende Situationen auf, in denen eine angemessene Haltung der Lehrkräfte entscheidend ist. Die Erfahrung zeigt, dass bei noch unerfahrenen Lehrkräften kurz nach Berufseinstieg und bei älteren Lehrkräften gegen Ende der Berufslaufbahn (erhöhte Vulnerabilität; Chronifizierung bzw. Expositionsdauereffekte)dem Umgang mit Emotionen ein gesundheitskritischer Stellenwert zukommt (Philipp & Schüpbach, 2010b). Den Fragen, wie Lehrkräfte mit ihren Emotionen umgehen, welche über lange Zeit im Beruf gesund bleiben, und wie diese Verhaltensweisen in Form von Trainings im Umgang mit emotional belastenden Situationen an gesundheitlich gefährdete Lehrkräfte weiter gegeben werden können, kommt somit eine hohe Relevanz zu. Zum Zusammenhang von Emotionsregulation (d.h. dem Umgang mit eigenen Gefühlen) und Wohlbefinden existiert bereits eine Vielzahl querschnittlicher Befunde. Dabei zeigt sich, dass es unterschiedliche Strategien der Emotionsregulation zu unterscheiden gilt und dass dabei persönlichen Einstellungen (faking in bad faith vs. faking in good faith; Krause et al., 2008; Philipp & Schüpbach, 2008b) eine hohe Bedeutsamkeit zukommt. Längsschnittliche Studien, welche die Entwicklungsdynamik der Emotionsregulation aufzeigen, lagen noch kaum vor (Côté & Morgan, 2002; Hülsheger, 2007). Die im ersten Projektabschnitt durchgeführte Längsschnittstudie machte eindrucksvoll deutlich, dass der Entwicklung dysfunktionaler Prozesse frühzeitig gegengesteuert werden muss. Lehrkräfte, welche bereits zu emotionaler Erschöpfung tendieren, nutzen weniger gesundheits- und wohlbefindensförderliche Strategien und verbergen sich eher hinter einer oberflächlichen, sachlich-neutralen Haltung. Es besteht somit die Gefahr der Herausbildung eines „Teufelskreises“. Schaffen es Lehrkräfte dagegen, einen Einklang zwischen ihren spontan aufkommenden und den für die Situation als angemessen erachteten Emotionen zu finden (deep acting), so trägt dies dazu bei, dass sie im Beruf bessere gesundheitliche Werte aufweisen (Philipp & Schüpbach, 2010a). Das Neue Deutschland hat darauf auch im Rahmen eines Berichtes über den Workshop des SPP auf dem International Congress of Psychology (ICP) 2008 in Berlin berichtet. Im Berufsalltag gelingt Emotionsregulation nicht immer spontan und dysfunktionale Formen der Emotionsäußerung schleichen sich leicht ein. Strategien wie deep acting oder faking in good faith sollten daher in belastenden Unterrichtssituationen immer wieder ganz bewusst und gezielt eingesetzt und in Trainingsmaßnahmen - unter Nutzung von Möglichkeiten der kollegialen Beratung - geschult und verfeinert werden. Als Grundlage dazu können die Ergebnisse einer aktuellen Feldstudie dienen, in der konkrete Techniken im Umgang mit konkreten emotional belastenden Unterrichtssituationen ermittelt wurden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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