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Lebensbedingungen und biologischer Lebensstandard in der Vorgeschichte Südwestasiens und Europas: anthropometrische, cliometrische und archäometrische Ansätze

Antragstellerin Dr. Eva Rosenstock
Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung von 2011 bis 2018
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 191679692
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt Lebensbedingungen und biologischer Lebensstandard in der Vorgeschichte Südwestasiens und Europas (LiVES) untersuchte mit einem Team aus Archäologen, Anthropologen und Statistikern die Entwicklung der Körperhöhe vom zwischen Mesolithikum und Spätbronzezeit in Südwestasien und Europa. Ziel war es, die Anwendbarkeit der Körperhöhe als Näherungswert für die Ernährung in der Wachstumsperiode und damit als biologisches Wohlstandmaß in der Vorgeschichte zu untersuchen. Hierzu wurde auf Basis zweier älterer Datensammlungen zu archäologischen Skeletten Langknochenlängen von 6901 Individuen nach dem aktuellen Forschungsstand aus der Literatur aktualisiert. Auf dieser Datengrundlage konnte mit Hilfe eines Bayes’schen und auch Meßfehler berücksichtigenden Algorithmus der Verlauf der Körperhöhe im Arbeitsgebiet und -zeitraum erstmals kohärent modelliert werden. In einer weiteren Datenbank wurden 2649 publizierte Messungen von stabilen Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen für Arbeitsgebiet und -zeitraum zusammengetragen und damit die Entwicklung der prähistorischen Ernährung nachgezeichnet. Der von der der Wirtschaftshistorik postulierte Zusammenhang der Körperhöhe mit der Nahrungseiweißzufuhr in der Wachstumsphase ließ sich jedoch weder durch die Zusammenschau beider Datensätze, noch anhand einer eng umschriebenen frühneolithischen Population (südwestdeutsche Linearbandkeramik, 2. H. 6. Jt. v. Chr.) belegen: Isotopenmessdaten aus Zähnen (die in Kindheit und Jugend gebildet werden) und Rippen (als Signal aus dem Erwachsenenalter) hatten bzgl. der Körperhöhe kaum Vorhersagekraft. Erst nach Einbeziehung der die Körperhöhe maßgeblich mitbestimmenden Genetik zusammen mit der Ernährung im Erwachsenenalter ließen sich in einer weiteren Studie erste Korrelationen zeigen, die auf eine Wachstumshemmung bei Frauen in der mitteldeutschen Linearbandkeramik hinweisen. Dieses Ergebnis lässt jedoch noch offen, ob die Ernährung in der Kindheit und Jugend hier ursächlich war, oder ob die Benachteiligung von Frauen im sozial-ökonomischen-politischen-emotionalen oder SEPE-Bereich zu verorten ist. Eine Nutzung der Körperhöhe als Proxy für den Biologischen Lebensstandard, wie sie von Wirtschaftshistorikern und Entwicklungswissenschaftlern insbesondere mit neuzeitlichen Daten erfolgreich betrieben wird, erfordert daher im großmaßstäbigen räumlichen und zeitlichen Vergleich eine gute (populations-)genetische Kontrolle; zudem sollte bei allen Auswertungen mitberücksichtigt werden, dass die Körperhöhe nicht nur genetisch und durch die Ernährung bestimmt wird, sondern auch ein soziales Signal darstellt, das u.U. in der Wachstumsphase zusätzlich durch SEPE-Faktoren moduliert wird.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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