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Zwei Wege vom Mott-Isolator zum Metall: Dynamik korrelierter Ladungsträger

Fachliche Zuordnung Experimentelle Physik der kondensierten Materie
Förderung Förderung von 2012 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 200045292
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Beim Mott-Übergang werden Metalle in einen isolierenden Zustand getrieben, weil die Elektron-Elektron-Wechselwirkung stark zunimmt. Wie bei jedem Phasenübergang erster Ordnung (z.B. Wasser und Eis) gibt es im Phasendiagramm einen Bereich der Koexistenz, in dem metallische und isolierende Regionen nebeneinander bestehen, wobei der Anteil der zwei Komponenten mit der Temperatur und Korrelationsstärke variiert. Diese elektronische Phasenseparation führt zu einer Divergenz der dielektrischen Konstante nahe der Perkolationsschwelle, wie unsere druck- und temperaturabhängigen optischen und dielektrischen Messungen an organischen Leitern erstmals zeigen. Durch die Kombination quantenmechanischer DMFT-Berechnungen mit der Effektiv-Medium-Theorie wird das Verhalten auch theoretisch modelliert. Von großem Vorteil war, unsere Modellsysteme als Quantenspinflüssigkeit keine magnetische Ordnung bis zu tiefsten Temperaturen zeigen, und somit das rein elektronische Phasendiagramm untersucht werden kann. Wir vermuten, dass auch bei anderen Metall-Isolator-Phasenübergängen ein Bereich der Koexistenz und Inhomogenität auftritt und schlagen diesbezügliche Untersuchungen vor. Wir konnten zudem mit der dielektrischen Spektroskopie eine integrale Methode etablieren, die Einblicke in die mikroskopische Struktur der Bulkmaterialien bietet und auch unter extremen Bedingungen eingesetzt werden kann (hohe aber auch ultratiefe Temperaturen, hohe Drücke oder starke Magnetfelder). Darüber hinaus zeigen die elektrodynamischen Eigenschaften von stark korrelierten Elektronensystemen trotz ihres im Wesentlichen metallischen Verhaltens häufig ein Maximum in der optischen Leitfähigkeit bei endlichen Frequenzen. Dieser verschobene Drude-Peak deutet auf eine beginnende Lokalisierung der metallischen Ladungsträger hin, wie sie von einer Theorie der transienten Lokalisierung vorgeschlagen wird. Weitere Untersuchungen sollen Aufschluss über das Temperaturverhalten der allmählichen Lokalisierung und die Skalierung mit der Wechselwirkungsstärke geben. Wir konnten die Temperatur- und Frequenzabhängigkeit der elektronischen Streurate bestimmen: dem quadratischen Temperaturverlauf des Widerstands entspricht ein quadratischer Anstieg mit der Frequenz. Erstmals konnte eine ω/T-Skalierung im Bereich der Fermi- Flüssigkeit als Funktion der Korrelationsstärke quantitativ bestimmt werden. Wir wollen zunächst noch eine Reihe weiterer organischer Leiter untersuchen und schließlich diese experimentellen Studien auf Übergangsmetalloxide ausweiten, die jedoch eine deutlich höhere Energieskala (Temperatur und Frequenz) haben.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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