Fenitzer Melanchthon
Final Report Abstract
Der Antragsteller hat während des Förderzeitraums zwei inhaltlich unterschiedliche Projekte verfolgt. Das eine Projekt widmet sich dem Blick Melanchthons auf die Geschichte des mittelalterlichen Kaisertums. Als Quellenkorpus hierfür ist die im akademischen Kontext stehende Textgattung der sog. Deklamationen besonders ergiebig. Bei diesen Texten handelt es sich um rhetorisch ausgefeilte Festreden, denen Melanchthon einen großen didaktischen Nutzen zugemessen hat. Mit der inhaltlichen Analyse der Texte konnte gezeigt werden, wie stark Melanchthon unmittelbar zeitgenössische Ereignisse durch Parallelisierung mit historisch überlieferten Geschehnissen selbst reflektierte und dann seinen Hörern (bes. Studenten) bzw. Lesern (bes. Kollegen, Freunden und Briefpartnern) diese Reflexionen als ethische Leitbilder für das eigene Handeln mitteilte. In diesem Sinn hat er letztlich auch seine Erwartungen an Kaiser Karl V. in kirchenpolitischen Fragen durch den Rückgriff auf historische Vorbilder in einen größeren Zusammenhang von weit- und heilsgeschichtlicher Bedeutung gestellt. Bei der Analyse der Kaiser-Deklamationen spielte auch die Frage nach ihren Rezitatoren vor dem akademischen Publikum in Wittenberg eine wichtige Rolle. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Schüler- und Kollegenkreis, der sich um Melanchthon geschart hat, genauer ins Blickfeld gerückt. Ein typischer Repräsentant dieser Gruppe, der zugleich eine bevorzugte Stellung als Rezitator einnahm, ist Veit Örtel-Winshemius. Da er bisher in der Forschung zu Melanchthons Schülern kaum Berücksichtigung fand, wurde seine akademischen Wirksamkeit und Biografie erstmals eingehend behandelt. Das zweite Projekt hat die Erschließung einer für die frühneuzeitliche Gelehrtenkultur wichtigen Theologenbibliothek zum Thema, deren Bearbeitung einen wichtigen Baustein für das Geistesleben der bedeutenden Reichsstadt Nürnberg im 17. und 18. Jahrhundert liefern kann. Dabei hat sowohl die bibliografische Erfassung des Gesamtbestandes in seiner Genese und Struktur, wie auch die Untersuchung der Verwaltung und Überlieferung des heute noch im Kern geschlossen verwahrten Buchbestandes wesentliche erste Erkenntnisse über diesen kulturgeschichtlich bedeutsamen „Wissensspeicher“ erbracht.
Publications
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Paul Ebers Tätigkeit an der Theologischen Fakultät in Wittenberg und in seinen Kirchenämtern. - In: Paul Eber (1511-1569): Humanist und Theologe der zweiten Generation der Wittenberger Reformation. Hrsg, von Daniel Gehrt und Volker Leppin (= Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der Luthe rischen Orthodoxie; 16). Leipzig 2014, S. 162-172
Gössner, Andreas
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Eine Bücherstiftung zur Ehre Gottes: Die Fenitzer-Bibliothek im Landeskirchlichen Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. - In: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 84 (2015), S. 114-128
Gössner, Andreas
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Der Kaiser als Reformator gegen das Papsttum: Ludwig der Bayer aus der Sicht Philipp Melanchthons. - In: Zeitschrift für bayerische Kirchenge schichte 85 (2016), S. 85-141
Gössner, Andreas
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Universalgeschichte und Reichspolitik: Die mittelalterlichen Kaiser aus der Sicht der Wittenberger Reformatoren. - In: Luther verstehen: Person - Werk - Wirkung. Hrsg, von Markus Buntfuß und Friedemann Barniske. Leip zig 2016, S. 127-145
Gössner, Andreas
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Deklamationen, Reden und Postillen. Philipp Melanchthon, 277-294. De Gruyter.
Gößner, Andreas
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Die reformatorische Bewegung in süddeutschen landesherrlichen Städten: Das Beispiel der ansbachischen Landstadt Feuchtwangen. - In: Bayern und die Protestanten. Hrsg, von Hubertus Seibert. Regensburg 2017, S. 68-77 und S. 277-282. - Leicht veränderter und verbesserter Nachdruck in: Feuchtwanger Heimatgeschichte 12 (2017), S. 9-34.
Gössner, Andreas
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Reichspolitik und Religionsgespräche. Philipp Melanchthon, 97-108. De Gruyter.
Gößner, Andreas
