Detailseite
Projekt Druckansicht

Alkohol und Glückspielverhalten

Antragstellerin Professorin Dr. Gabriele Oettingen, seit 2/2022
Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Förderung Förderung von 2013 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 228178708
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt umfasste drei Subprojekte zur Selbstregulierung von Alkoholkonsum und Glücksspielverhalten. Im ersten Projekt untersuchten wir, ob akuter Alkoholkonsum Glücksspiel verstärkt oder verringert je nachdem, ob spielfördernde oder spielhemmende Reize salient sind. Nach der Alkohol-Myopie-Theorie wird das Verhalten von alkoholisierten (vs. nüchternen) Personen disproportional von salienten (vs. peripheren) Reizen beeinflusst. In einer ersten Studie im Labor tranken die Teilnehmer Alkohol vs. ein Placebo. Anschließend spielten sie an einem computergestützten Spielautomaten, bei dem entweder die hohen Gewinne oder die geringen Chancen durch einen auffälligen Slogan hervorgehoben wurden. Die abhängige Variable war die Anzahl der gespielten Durchgänge. In einer zweiten Studie im Feld haben wir den Alkoholspiegel von Besuchern einer Bar gemessen. Danach spielten die Teilnehmer an demselben Automaten wie in der ersten Studie. Außerdem haben wir in einer dritten Studie untersucht, ob eine Intervention, die niedrige Chancen kognitiv salient macht (mentale Kontrastierung mit Implementierungs-Intentionen zu reduziertem Glückspielverhalten unter Alkoholeinfluss über einen Zeitraum von einem Jahr führt. Die Ergebnisse der drei Studien waren inkonsistent und schwierig zu interpretieren. In dem zweiten Projekt untersuchten wir, ob eine WOOP-Intervention (Wish-Outcome-Obstacle-Plan) exzessives Trinkverhalten unter jungen Erwachsenen reduziert. WOOP ist eine Selbstregulationsstrategie, die effektiv zu einer Verhaltensänderung führt. Bei WOOP nennen Personen zunächst ein wichtiges persönliches Anliegen (W-Wish). Danach stellen sie sich vor, das Anliegen erfolgreich umgesetzt zu haben (O-Outcome) und stellen sich das zentrale innere Hindernis vor, das der Umsetzung im Weg steht (O-Obstacle). Schließlich formulieren einen Plan (P-Plan), um das Hindernis zu überwinden. In unserer Studie haben junge Erwachsene, die Ihr Trinkverhalten reduzieren wollten, entweder eine WOOP-Intervention bekommen oder eine Schein-Intervention. Anschließend haben wir Ihr Trinkverhalten über 2 Monate erhoben. Die Personen in der WOOP-Bedingung reduzierten Ihr Trinkverhalten stärker, als diejenigen in der Schein- Interventions-Bedingung. Im dritten Projekt haben wir den Alkoholkonsum und Trinkmotive in fünf Ländern - USA, Mexiko, Großbritannien, Spanien und Deutschland - gegen Ende der COVID-19 Pandemie untersucht. Vor der Pandemie tranken Menschen vor allem aus sozialen Motiven (um Gesellschaft anderer zu genießen), gefolgt von Verstärkungsmotiven (um eigene Stimmung zu verbessern). Danach kamen das Konformitätsmotiv (aus sozialem Druck) und das Bewältigungsmotiv (um mit eigener Situation besser umzugehen). Während der Pandemie mit den Kontaktbeschränkungen tranken Menschen jedoch vor allem, um besser mit der Situation umzugehen (Bewältigung) und um ihre Stimmung zu verbessern (Verstärkung) und weniger aus sozialem Druck (Konformität) oder um die Gesellschaft anderer zu genießen (soziales Motiv). Wir konnten zeigen, dass im April 2023 gegen Ende der Pandemie die Rangfolge der Motive wieder zu ihrem Zustand vor der Pandemie zurückgekehrt war. Außerdem fanden wir, dass in allen fünf Ländern zwischen 20 und 30% der Versuchspersonen über dem Grenzwert für hochriskanten Alkoholkonsum lagen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Acute alcohol consumption as a risk-factor for escalated gambling. Paper presented at the 2022 Annual Convention of the Association for Psychological Science, Chicago, IL.
    Sevincer, A. T., Brinkman, J. & Oettingen, G.
  • Alcohol myopia and gambling behavior. Poster presented at the 14th Annual Meeting of the Society for the Science of Motivation.
    Brinkman, J., Sevincer, A. T., Garibay, G. & Oettingen, G.
  • Alkoholmyopie und Glückspielverhalten [Alcohol myopia and gambling behavior]. Paper presented at the 52. Congress of the German Psychological Society, Hildesheim, Germany.
    Brinkmann, J., Sevincer, A. T., Garibay, G. & Oettingen, G.
  • Mental contrasting reduces gambling behavior and gambling related symptoms in problem gamblers. Poster pre sented at the 2022 Annual Convention of the Association for Psychological Science, Chicago, IL.
    Brinkman, J., Sevincer, A. T. & Oettingen, G.
  • Alcohol use and drinking motives across five countries: a post-COVID-19 pandemic update. The American Journal of Drug and Alcohol Abuse, 51(1), 85-95.
    Rupprecht, Joana; Spitzweck, Bettina; Oettingen, Gabriele & Sevincer, A. Timur
  • WOOP as a Brief Alcohol Intervention Led by Lay Coaches in College Settings. Health Education & Behavior, 52(3), 299-308.
    Wittleder, Sandra; Bhoopsingh, Brianna; Gollwitzer, Peter M.; Jay, Melanie; Mutter, Elizabeth; Valshtein, Tim; Angelotti, Gina & Oettingen, Gabriele
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung