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Migration und Engagement: Biographische Fallrekonstruktionen zu Entstehung und Transformation von Engagementpraktiken junger Migrantinnen und Migranten aus Russland

Antragstellerin Dr. Oxana Ivanova-Chessex
Fachliche Zuordnung Allgemeines und fachbezogenes Lehren und Lernen
Förderung Förderung von 2013 bis 2015
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 236573241
 
Erstellungsjahr 2015

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das vorliegende Projekt zielte darauf ab, die Entstehung, Entwicklung und (migrations-) biographische Funktionalität von gesellschaftlichem Engagement in den Biographien junger Migrantinnen und Migranten aus Russland zu rekonstruieren und somit Erkenntnisse zu einem in Deutschland bisher eher fragmentarisch analysierten Phänomen zu gewinnen. Mit der Durchführung von 15 narrativen Interviews sowie der intensiven Analyse und umfangreichen Rekonstruktion zunächst von drei ausgewählten Biographien der Teilnehmenden der Solidaritätsproteste im Kontext der russischen Protestbewegung ist ein Zugang zu dem vielfältig migrationsbiographisch verorteten und begründeten Engagement erarbeitet worden. Durch die theoretische Verortung der Biographieforschung innerhalb der Rahmenanalyse konnte eine ganzheitliche Perspektive auf die Entstehung und Entwicklung des Engagements in seinen unterschiedlichen Phasen und Ausprägungen gewährleistet werden. Unter besonderer Berücksichtigung der analytischen Differenz von erzählter und erlebter Lebensgeschichte ließen sich in der Rekonstruktion der einzelnen Biographien die jeweils handlungsbestimmenden Rahmennarrative sowie biographiespezifisch modulierte Rahmen aufzeigen, welche anschließend in Kontrast zueinander gesetzt wurden. Anhand des Vergleichs konnte insbesondere die jeweilige Funktion des Engagements für den einzelnen Biographieträger und die einzelne Biographieträgerin herausgearbeitet und somit Ansätze für eine Typisierung konkretisiert werden, die mithin jenseits von soziografischen Kategorien liegen. Vielmehr sind es die Zusammenhänge der einzelnen biographischen Daten in einem Erlebenskontext und deren rahmenanalytische Implementierung in die Biographie der Migrantinnen und Migranten, welche einen analytischen Zugang zur Entwicklung des Engagements bieten. Die biographietheoretische Rahmenanalyse gewährleistet gleichermaßen einen vertiefenden Einblick in den Migrationsprozess und dessen Auswirkungen auf das Engagement. Im Hinblick auf die Entstehung und formal-inhaltliche Ausgestaltung des Engagements kann dahingehend eine maßgebliche Bedeutung der Migrationserfahrung für das Engagement konstatiert werden. Mit der Rahmenanalyse wurde aber zugleich aufgezeigt, inwiefern sich beispielsweise erhebliche Unterschiede in der Art und Weise des Engagements vor dem Hintergrund des sehr verschiedenen Erlebens von Migration rekonstruieren lassen. In der vorgenommenen Kontrastierung ließen sich Grundmuster erkennen, die hinsichtlich einer Typisierung weiterverfolgt werden können. In den Rahmen der kontrastierten Interviews zeigten sich grundlegend zwei Narrative. Erstens das Narrativ der deprivilegierten Positionierung und der Betroffenheit innerhalb der sozialen Ungleichheitsverhältnisse, welches ein Engagement gegen soziale Ungleichheit begründet. Das zweite Narrativ drückt sich in Rahmen aus, die über die gesellschaftliche Aktivität eine Synchronisierung zweier Welten anstreben, welche die Biographieträgerinnen und -träger in ihrer autobiographischen Eigenwahrnehmung als solche thematisieren. Deshalb kommt dem russlandbezogenen Engagement von Migrantinnen und Migranten immer auch eine Brückenfunktion zwischen zwei als diachron erlebten und insofern biographisch verschieden Welten zu. Hier bietet die biographietheoretische Rahmenanalyse einen Erklärungsansatz für die lebensgeschichtliche Implementierung migrantischen Engagements und dessen Funktion für die einzelnen Biographieträgerinnen und -träger. Es erscheint lohnenswert, diesen Zugang weiter zu verfolgen und im Sinne der Anreicherung und Sättigung einer Typologie auszubauen.

 
 

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