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Poïesis der Atmosphäre - die Interferenz atmosphärischer Wissensräume um 1800

Antragstellerin Dr. Ines Theilen
Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung Förderung von 2014 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 244962993
 
Erstellungsjahr 2020

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das ursprünglich als Habilitationsschrift geplante Projekt fragt nach Atmosphäre(n), sowohl aus einem wissensgeschichtlichen als auch einem poetologischen Interesse. Die bisher veröffentlichten Arbeiten ebenso wie die noch nicht abgeschlossene Monographie zu Goethe loten eine epistemologische Krise aus, die um 1800 durch die Ausdifferenzierung neuer Wissensbereiche und -Formen in Bezug auf die Atmosphäre entsteht. Skizziert wird die diskursive Formierung dieser Wissensfelder, aus welcher schließlich zwei scheinbar voneinander unabhängige Atmosphären resultieren: die meteorologische Atmosphäre sowie die Atmosphäre der Ästhetik. In den im Rahmen des Projektes entstandenen Arbeiten wird exemplarisch herausgearbeitet, wie diese diskursiven Ausdifferenzierungsprozesse in der Literatur um 1800 verhandelt und unterlaufen werden und wie sich durch interdiskursive Dynamiken ein spezifisches literarisches Wissen von der Atmosphäre herausbildet, das sich auch in den Verfahren zur Darstellung atmosphärischer Phänomene niederschlägt. So führt etwa die literarische Beschreibung des Zwielichts zu neuen ästhetischen Perspektiven, wenn Eichendorff in seinem gleichnamigen Gedicht das Licht phänomenologisch betrachtet oder Stifter in "Der Condor" Licht zu einem zentralen Moment für die Produktion ästhetischer Atmosphären und damit zum Medium ästhetischer Erfahrung werden lässt. Während ursprünglich die Untersuchung eines größeren literarischen Korpus vorgesehen war, um die Poïesis der Atmosphäre um 1800 nachzuzeichnen, fokussiert die noch nicht abgeschlossene Monographie nun allein auf Johann Wolfgang Goethe. Obwohl sich das Interesse für Atmosphäre(n) durch das Werk des Dichters und Naturforschers zieht, ist hierzu bisher wenig publiziert worden. Es wird gezeigt, dass Atmosphäre als epistemologisches sowie poetisches Modell in Goethes späten Schriften zunehmend Kontur gewinnt. Als Medium, Milieu und Modell steht sie in enger Verbindung zum Lebendigen, das stets Ziel des Goetheschen Forschens und Schreibens ist. Insgesamt wird in den im Rahmen des Projektes entstandenen Arbeiten deutlich, dass Atmosphäre als Begriff der Ästhetik entgegen aller Tendenzen zur Ausdifferenzierung eng mit der meteorologischen Atmosphäre verknüpft bleibt und damit einem ganz anderen semantischen Kontext entspringt als der nur scheinbar verwandte Stimmungsbegriff.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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