Obligatorische Präsuppositionsauslöser - Experimentelle Evidenz
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel des Projektes war die Gegenüberstellung zweier Theorien zum obligatorischen Auftreten von sprachlichen Ausdrücken (wie auch, wieder und dem definiten Artikel), die Präsuppositionen auslösen: Maximize Presupposition (MP) und Obligatory Implicatures (OI). Diese beiden Theorien machen unterschiedliche experimentell überprüfbare Vorhersagen bezüglich verschiedener Faktoren, die das obligatorische Einsetzen von Präsuppositionsauslösern beeinflussen. Um die unterschiedlichen Vorhersagen der beiden Theorien zu überprüfen, wurden sowohl psycholinguistische Methoden (off- und online) eingesetzt als auch sprachvergleichende Untersuchungen durchgeführt (Deutsch, Ga, Chinesisch, Japanisch). Ein Kernergebnis des Projektes ist, dass Präsuppositionsauslöser sich bezüglich ihres obligatorischen Auftretens nicht gleich verhalten. Während für iterative (z.B. wieder) und additive (z.B. auch) Partikeln die Vorhersagen von OI bestätigt werden konnten, macht MP für den definiten Artikel die richtigen Vorhersagen. Dies gilt sprachübergreifend. Dazu wurde eine Theorie aufgestellt, wonach MP und OO beides in der Sprache existierende Prinzipien sind, aber unterschiedliche Reichweite haben. Darüber hinaus wurden interessante Ergebnisse zu Fokus und Quantitätsimplikaturen erzielt. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Implikaturen anders mit Fokus und anderen fokus-sensitiven Operatoren interagiert als zum Beispiel overte Operatoren wie nur. Unsere Untersuchungen zeigen auch, dass die genaue Interaktion von dem Inventar verschiedener overter fokus-sensitiver Partikeln abhängt. Die theoretischen Konsequenzen der Untersuchungen gehen weit über das Phänomen der obligatorischen Präsuppositionsauslöser hinaus. Sie betreffen Kernfragen der experimentellen und theoretischen Pragmatik, insbesondere welches Inventar an pragmatischen Mechanismen und Inferenzen natürliche Sprachen zur Verfügung stellen und welche Rolle Alternativen spielen. Möglicherweise können beide Prinzipien OI und MP auf dem gleichen pragmatischen Mechanismus beruhen, wenn die Rolle von Alternativen in der präsuppositionalen und assertiven Domäne und ihre Relation zu Fokus besser verstanden werden.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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2016. Obligatory Presupposition Triggers in Discourse: Empirical Foundations of the theories Maximize Presupposition and Obligatory Implicatures. Dissertation, Universität Tübingen
Bade, Nadine
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2016. Obligatory Triggers under Negation. Proceedings of Sinn und Bedeutung 20. 109-126
Bade, Nadine & Tiemann, Sonja
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2016. Presupposition Projection in Online Processing. Journal of Semantics 34(1). 61–106
Schwarz, Florian & Tiemann, Sonja
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2018. Obligatory Additives in the Antecedent of Conditionals. Proceedings of Sinn und Bedeutung 21. 73-81
Bade, Nadine
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2019. (In-)definites, (anti-)uniqueness, and uniqueness expectations, Proceedings of CogSci 2019, 119-126
Bade, Nadine & Schwarz, Florian
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2019. Different again. Semantics and Pragmatics 12. Article 3
Patel-Grosz, Pritty & Sigrid Beck
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2019. EXH passes on alternatives – A comment on Fox & Spector (2018). Natural Language Semantics 27. 19-45
Bade, Nadine & Sachs, Konstantin
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2020. Is Immediate Processing of Presupposition Triggers Automatic or Capacity Limited? A Combination of the PRP Approach with a Self-Paced Reading Task. Journal of Psycholinguistic Research 49, 247-273
Schneider, Cosima, Bade, Nadine, & Janczyk, Markus
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2020. On certain conditionals. Dissertation, Universität Tübingen
Wimmer, Alexander
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2020. Presuppositions of determiners are used immediately to disambiguate utterance meaning: A mouse tracking study on the German language. Psychological Research. 1-27
Schneider, Cosima, Bade, Nadine, Franke, Michael & Janczyk, Markus
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2020. Readings of scalar particles: 'noch'/ 'still', Linguistics and Philosophy 43, 1-67
Beck, Sigrid