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Discourses of united theology

Subject Area Protestant Theology
Term from 2014 to 2025
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 261105911
 
Final Report Year 2025

Final Report Abstract

Das Projekt „Diskurse unierter Theologie“ zielte auf einen kirchentheoretisch fundierten Ansatz gegenwärtiger systematischer Theologie, der eine Antwort auf die bis heute ungelöste Frage F. Schleiermachers (‚Knoten der Geschichte‘) nach einer positiven Verhältnisbestimmung zwischen volkskirchlichem Christentum und aufgeklärter Wissensgesellschaft und damit eine konstruktive Zuordnung von kirchlichen Institutionen und akademischer Theologie verspricht. Zu diesem Zweck wurde das seit dem 19. Jahrhundert vorhandene Konzept evangelischer Union, d.h. ökumenischer Kirchengemeinschaft zwischen getrennten konfessionellen Bekenntnissen (lutherisch und reformiert) als Ausgangspunkt der im Projekt bearbeiteten Diskurse herangezogen. Es impliziert ein Kirchenverständnis, das neben den Bekenntnisschriften weitere, oft ebenfalls antagonistisch auftretende Prägefaktoren gesellschaftlich-politischer oder sozioökonomischer Art heranzieht und einer theologischen Würdigung unterzieht. Das Projekt legt in seinen Ergebnissen umfassende Untersuchungen in monographischer Form zu zwei historischen Gestaltwerdungen solch unierter Theologie heran, nämlich der Evangelischen Kirche der Union (EKU, 1953–2003) und der Eisenacher Konferenz (Vorläuferinstitution der heutigen EKD, 1851–1903). Letztere ist bislang theologisch unerforscht gewesen, weswegen die Forschungsdaten zu diesem Themenbereich in Kooperation mit dem einschlägigen Evangelischen Zentralarchiv zu Berlin ab 2026 vollumfänglich digital im open access zugänglich gemacht werden. In beiden Kontexten befördert unierte Theologie aufgrund fundamentaler Faktoren evangelischen Kircheseins wie dem Priestertum aller Gläubigen, der Bekenntnis- als Gewissensfreiheit und der verpflichtenden Gewährung von Gehör für minderheitliche Meinungen wichtige Orientierungen eines pluralen und freiheitlichen, auf Teilhabe und Diversität gerichteten Zusammenlebens. Darüberhinaus legt das Projekt Ergebnisse in Form von zwei Sammelbänden für die Theologiegeschichte der DDR vor, in der die Verhältnisbestimmung von Kirche und Theologie unausdrücklich – da der Begriff ‚Union‘ wegen ideologischer Bedenken für die Sprachregelungen des Weltanschauungsstaats DDR untragbar war – überwiegend ebenfalls dem Ansatz unierter Theologie folgt. In der DDR bestand eine Modellkonkurrenz unierter Theologien und damit eine systemimmanente Pluralität im theologischen Diskurs auch im SED-Staat. Die Beispielkomplexe zeigen zusammengenommen die hohe Bedeutung des beschriebenen Theologieansatzes für evangelische Kirchen in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen und staatlichen Ordnungen.

Publications

  • Abwehr – Aneignung – Instrumentalisierung. Zur Rezeption Karl Barths in der DDR (Greifswalder Theologische Forschungen, Bd. 24), Leipzig: Ev. Verlagsanstalt 2015, 202 S.
    Michael Hüttenhoff & Henning Theißen
  • Christliches Leben in der DDR. Diskussionen im ostdeutschen Protestantismus von den 1950er bis zu den 1980er Jahren (Greifswalder Theologische Forschungen, Bd. 29), Leipzig: Ev. Verlagsanstalt 2018, 360 S.
    Andreas Stegmann & Henning Theißen
  • Kirche in den Gegensätzen des Kalten Krieges. Arbeiten zur unierten Theologie (Unio und Confessio, Bd. 29), Bielefeld: Luther-Verlag 2018, 393 S.
    Henning Theißen
  • Über Verwaltungs- und Konsensunion hinaus. Unierte Theologie im 19. und 20. Jahrhundert, in: Jürgen Kampmann/Christian Peters (Hg.), 200 Jahre lutherisch-reformierte Unionen in Deutschland. Jubiläumsfeier in Hagen, Beiträge zu den wissenschaftlichen Tagungen in Hagen und Haus Villigst sowie ein Vortrag in Potsdam im September 2017 (Beiträge zur westfälischen Kirchengeschichte, Bd. 46), Bielefeld: Luther-Verlag 2018, 201–224.
    Henning Theißen
  • Sine vi, sed verbo. Kirchliche Selbstbestimmung in Luthertum und Union, in: Werner Klän/Bernd Oberdorfer (Hg.), Bekenntnisbildung und Bekenntnisbindung. Bestimmung und Geltung von abgeleiteten Grundsätzen im Normengefüge lutherischer Kirchen (Oberurseler Hefte Ergänzungsband 22), Göttingen: Edition Ruprecht 2019, 63–91.
    Henning Theißen
  • Barth’s Explicit Reception of Luther. Luther, Barth, and Movements of Theological Renewal (1918-1933), 77-92. De Gruyter.
    Theißen, Henning
  • Die „sichtbare Gemeinde“ – der „Ort der Schulderkenntnis“. Ekklesiologische Motive Bonhoeffers in der Kirchlichen Zeitgeschichte. Dietrich Bonhoeffer in einer globalen Zeit / Dietrich Bonhoeffer in a Global Era, 441-458. Vandenhoeck & Ruprecht.
    Theißen, Henning
  • Schwerpunkte der evangelischen Theologiegeschichte im Rheinland vom Wiener Kongress bis zum Ersten Weltkrieg, in: Andreas Metzing (Hg.), Evangelische Kirchengeschichte im Rheinland, Bd. 3: Das lange 19. Jahrhundert (1794–1914) (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Bd. 173,3), Bonn: Dr. Rudolf Habelt 2024, 196–237.
    Henning Theißen
  • Die Eisenacher Konferenz. De Gruyter.
    Theißen, Henning
 
 

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