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Polish-German Child Bilingualism: The Role of Age of Onset for Long-Term Achievement

Subject Area Individual Linguistics, Historical Linguistics
General and Comparative Linguistics, Experimental Linguistics, Typology, Non-European Languages
Term from 2015 to 2021
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 277135691
 
Final Report Year 2023

Final Report Abstract

Das deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekt untersuchte die Bedeutung von Alterseffekten im bilingualen deutsch-polnischen Spracherwerb. Dabei wurde sowohl die Rolle des Alters bei Beginn des Erwerbs der Umgebungssprache (US) (age of onset) als auch die Entwicklung des Spracherwerbs mit zunehmendem Alter (chronological age) untersucht. Zu diesem Zweck wurden Sprachdaten von 62 bilingualen Kindern aus Deutschland mit Polnisch als Herkunftssprache (HS) (Altersspanne: 4;11-13:11), 35 bilingualen Kindern aus Polen mit Deutsch als HS (3;5-12;11) sowie zu Vergleichszwecken Daten von 20 lebensweltlich monolingual aufwachsenden Kindern aus Polen (3;7-11;11) und 26 Kindern aus Deutschland (4;4-13;6) erhoben. Die bilingualen Gruppen bestehen aus jeweils einer Untergruppe aus simultan-bilingual aufwachsenden Kindern (2L1) und sukzessiv-bilingualen Kindern (cL2), bei denen der Kontakt mit der L2 erst ab einem Alter von 3 Jahren erfolgt ist. Die Daten umfassten sowohl narrative, mittels der MAIN-Bildergeschichte elizitierte Erzählungen als auch experimentelle Daten aus Satzwiederholungsaufgaben, Forced Choice-Aufgaben und einem bimodalen Akzeptabilitätstest. Die Untersuchung fokussierte auf drei ausgewählte sprachliche Phänomene: (1) die Realisierung von Subjekten (overte Subjektausdrücke vs. Nullsubjekte), (2) dem Ausdruck der Definitheit sowie (3) die Wortstellung von Auxiliar und Infinitiv des Vollverbs. Sie repräsentieren typische Schnittstellenphänomene und weisen neben einigen Unterschieden (z.B. im Status von Nullsubjekten in beiden Sprachen) auch strukturelle Überlappungen auf (z.B. die Möglichkeit von Kontakt- und Distanzstellung von Auxiliar und Vollverb im Polnischen vs. Satzklammer/Distanzstellung im Deutschen). Daher war mit dem Auftreten von zwischensprachlichem Einfluss zu rechnen, der in Bezug auf seine Abhängigkeit von den beiden Altersfaktoren, aber auch vom Status der Sprache als HS oder US untersucht werden sollte. Die Ergebnisse zeigen einige Unterschiede zwischen den simultan- und sukzessivbilingualen Gruppen, die aber je nach sprachlichem Phänomen unterschiedlich ausfallen. Für das im deutschen Teilprojekt untersuchte Polnische waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen im Bereich der Subjektrealisierung und der Markierung von Definitheit zu beobachten. Beide Bereiche zeichneten sich auch dadurch aus, dass die bilingualen Gruppen sich insgesamt nicht signifikant von der polnischen monolingualen Kontrollgruppe unterscheiden. Die Herkunftssprecher neigen weder zu einer Überproduktion overter Subjekte in der Nullsubjektsprache Polnisch noch zur aktiven Verwendung von Demonstrativpronomen wie ten ‚dieser‘ oder dem Numeral jeden ‚einer‘ zur Markierung der (In)- Definitheit von Nominalgruppen. Dies gilt bereits für die jüngsten Gruppen und auch für die bilingualen Kinder mit Lebensmittelpunkt in Polen. Die bilingualen Kinder verwenden tendenziell sogar weniger lexikalische (In)Definitheitsmarker als die monolinguale Gruppe, was als indirekter zwischensprachlicher Einfluss gewertet werden kann, der sich in der Betonung der Unterschiedlichkeit der Strukturen in den beiden Sprachen (cross-linguistic overcorrection) manifestiert. Systematische Unterschiede ergeben sich aber im Bereich der Wortstellung: Hier weisen die jüngeren simultan-bilingualen Herkunftssprecher (bis 10 Jahre) eine Präferenz für die Distanzstellung auf, die sich signifikant von der bevorzugten Kontaktstellung bei der monolingualen Gruppe unterscheidet. Erst die älteren simultan-bilingualen Kinder zeigen die zielsprachliche Präferenz, was für einen verzögerten Erwerb der default-Stellung durch den reduzierten Input in der HS spricht. Demgegenüber sind die jüngsten sukzessiv-bilingualen Kinder nicht von den Monolingualen zu unterscheiden und wechseln erst mit zunehmender Exposition zur L2 Deutsch zur „deutschen“ Distanzstellung als präferierte Variante.

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