Project Details
Projekt Print View

Water and cult in the Heraion of Samos

Subject Area Classical, Roman, Christian and Islamic Archaeology
Geotechnics, Hydraulic Engineering
Hydrogeology, Hydrology, Limnology, Urban Water Management, Water Chemistry, Integrated Water Resources Management
Term from 2016 to 2021
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 320794653
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Im DFG-Projekt wurden die wasserwirtschaftlichen Anlagen des Heraheiligtums auf der griechischen Insel Samos unter Federführung des Deutschen Archäologischen Instituts untersucht, die Technische Hochschule Lübeck erforschte den umwelthydrologischen Kontext. Das Projekt Wasser und Kult des Heraions liefert eine systematische einzugsgebietsbezogene hydrologische und hydrogeologische Analyse der Anlagen, die sich von einem kleinen Heiligtum mit Altar am Anfang des 10. Jhdt. v. Chr. zu der von Herodot erwähnten größten Tempelanlage der Griechen entwickelt haben. Aus dem Projekt ließen sich neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie das Heraion an die oberirdischen Einzugsgebiete des Ampelos Gebirges angeschlossen ist. Der Tempel des Heraions liegt in einer außergewöhnlichen hydrologischen Gunstlage und stellt den Konzentrationspunkt von oberirdischen Einzugsgebieten dar, die Wasser in die Kamposebene leiten, an deren küstennahem Ende sich der Tempel der Hera befindet. Mit einem numerischen Grundwassermodell konnte gezeigt werden, dass eine Kaskade von Grundwasserleitern oberhalb des Heraions ein außerordentlich resilientes System bilden und selbst bei mehrjährigen Dürreereignissen die Brunnen noch Wasser liefern. Der Kult der Hera scheint eng mit der hydrologischen Lage, der Konzentration von Oberflächenwasser und vor allem dem hydrogeologischen System in Verbindung zu stehen. Die Sedimente im Bereich des Tempels wurden durch eine detaillierte Aufnahme einer Reihe von Bohrprofilen untersucht und mit C Funden organischen Materials datiert. Aus diesen Profilen konnte die Sedimentationsrate im Bereich des Heraions mit ca. 1 Millimeter pro Jahr (Kremers, 2017) und daraus die Sedimentationsgeschichte der letzten 3000 Jahre rekonstruiert werden. Diese deutet auf Flussumlagerungen des Flusses Imbrasos von einem ursprünglichen Flussarm im Gebiet des Heraions in zunehmend westlicher Richtung zum heutigen Verlauf hin, was die wasserbaulichen Schutzbauten am westlichen Tempelfundament erklärt. Der ursprüngliche Verlauf korreliert mit der Lage der Brunnen, welche sich aus einem kiesigen Altarm speisen. Mit Isotopenuntersuchungen des Grundwassers der Brunnen im Heraion konnte die Herkunft des Quellwassers geklärt werden. Es zeigte sich, dass insbesondere an der Quelle des Altares, des Ursprunges des Herakultes, besonders alte und schwefelwasserstoffhaltige Komponenten austreten. Die Ergebnisse belegen die hohe Resilienz der Wasserversorgung auf Grund der besonderen Lage des Heraions. Eine genaue Vermessung der Brunnen zeigte, dass die nur im Heraion zu dieser Zeit dokumentierten Grundwasserlaufbrunnen eine nachhaltige Nutzung des Grundwassers zudem ohne Versalzungsrisiken erlaubten und damit Vorläufer heutiger Horizontalbrunnen sind. Insgesamt hat das Projekt das große Potential der interdisziplinären Kopplung von archäologischen und quantitativen umwelthydrologischen Studien gezeigt.

Link to the final report

https://doi.org/10.23689/fidgeo-10494

Publications

  • Griechenland. Wasser und Kult im Heraion von Samos. Die Arbeiten der Jahre 2016 bis 2017, e-Forschungsberichte 2, 84–88.
    Fuchs, J. Samos
  • Wasser und Kult im Heraion von Samos, in: Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Athen (Hrsg.), DAI Athenea, Athen, 74–76.
    Fuchs, J.
  • Hydrologische Bedingungen im Heraion von Samos vom 12. bis 8. Jh. v. Chr. und ihre Bedeutung für die wasserbauliche Infrastruktur. Environmental Water Engineering, 1–21.
    Androvitsanea, A., Fawzy, M., Fuchs, J., Külls, C., Fahlbusch, H. & Heiden, J.
  • Das Heraion von Samos – Traditionsgrabung mit Perspektiven. Athenea, 20– 22.
    Heiden, J.
  • Neue Perspektiven archäologischer Forschungen im Heraion von Samos. Athenea, 80–85.
    Henke, J.-M.
  • Ηραίον Σάμου. Αρχαιολογία & Τέχνες. 136, 118–145.
    Henke, J.-M.
  • The water supply of the Heraion of Samos, in: Klingborg, P. (Hrsg.), Proceedings of the workshop Going against the flow. Wells, cisterns and water in ancient Greece at the Swedish Institute at Athens 28–29 September 2017
    Fuchs, J.
 
 

Additional Information

Textvergrößerung und Kontrastanpassung