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Experts of Diplomacy. The English Embassy Secretaries in Early Modern Istanbul

Subject Area Early Modern History
Term from 2016 to 2022
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 320970041
 
Final Report Year 2025

Final Report Abstract

Diplomatie – das sind Verhandlungen zwischen Gesandten, Herrschern und Ministern über Krieg und Frieden, so wird gemeinhin angenommen. Diese Sichtweise, so die grundlegende These des Projekts, bietet jedoch nur einen sehr eingeschränkten Blick auf das Gesamtphänomen ‚frühneuzeitliche Diplomatie‘. Denn Diplomatie war in der Frühen Neuzeit keine individuelle Leistung einzelner ‚großer Männer‘, sondern eine Gemeinschaftsleistung verschiedener – männlicher und weiblicher – Akteure. Es ist daher notwendig, die traditionelle Fokussierung auf die Diplomaten des ersten Rangs zu überwinden und stattdessen das Zusammenwirken der zumeist adligen Botschafter mit ihren Untergebenen zu analysieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Projekt zwei Perspektivverschiebungen vorgenommen: Erstens wurde der Untersuchungsgegenstand massiv ausgeweitet und so viele diplomatische Akteure der ‚zweiten Reihe‘ wie möglich in den Blick genommen. Zweitens hat sich das Projekt nicht, wie dies die Forschung bisher vornehmlich getan hat, in erster Linie auf Audienzen und andere höfische Zeremonien, sondern den Alltag frühneuzeitlicher Diplomatie konzentriert. Ort der Untersuchung war das frühneuzeitliche Istanbul, wo sich das entworfene Programm besonders gut umsetzen lässt: Da sich die Gesandten hier nicht oder nur minimal auf ihre althergebrachten adligen Verhaltensnormen verlassen konnten, waren sie besonders stark auf die Mitwirkung niederrangiger Akteure angewiesen. Hauptaugenmerk lag dabei auf der englischen bzw. britischen Botschaft, zur Kontextualisierung wurden aber immer wieder weitere Botschaften mit einbezogen, vor allem die venezianische, die französische und die niederländische. Das Projekt hat deutlich gezeigt, dass frühneuzeitliche Diplomatie nicht nur situativ, sondern strukturell auf die Mitwirkung niederrangiger Personen angewiesen war. Ganz besonders galt dies für die Botschaftssekretäre, denen deshalb auch eine besondere Rolle zukam. Es galt aber ebenso für die zahlreichen weiteren Botschaftsangestellten wie Schatzmeister, Botschaftskapläne, Boten, Schreiber, persönliche Bedienstete usw. In den Botschaften in Istanbul waren aber auch lokal angeworbene Personen tätig, etwa die katholischen oder griechisch-orthodoxen Übersetzer (die sogenannten ‚Dragomane‘) oder die muslimischen Janitscharen und Kaligraphen. Hinzu kamen die Freunde, die Ehefrauen und die Familienangehörigen der Botschafter, aber auch die ihres Personals. Aufgrund der ungewöhnlich guten Quellenlage konnte die elementare Bedeutung all dieser Akteure für viele Bereiche nachgewiesen werden: Für die alltäglichen Verwaltungsabläufe innerhalb der Botschaft („transkulturelle Bürokratie“), für die Kommunikation mit dem Sultanshof und den anderen europäischen Botschaften oder für die Informationsbeschaffung und Spionage.

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