Detailseite
Projekt Druckansicht

Der Beitrag sprachlicher und exekutiver Prozesse zur kognitiven und akademischen Leistung bei ein- und zweisprachigen Grundschulkindern

Antragstellerinnen / Antragsteller Professorin Dr. Julia Karbach; Professor Dr. Henrik Saalbach, seit 2/2020
Fachliche Zuordnung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Allgemeines und fachbezogenes Lehren und Lernen
Förderung Förderung von 2017 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 326702745
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zweisprachige Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zeigen zeigen bereits während der Grundschulzeit schwächere schulische Leistungen als einsprachige Gleichaltrige. Diese Schwierigkeiten zweisprachiger Schülerinnen und Schüler werden häufig auf defizitäre Kenntnisse in der Instruktionssprache zurückgeführt. Andererseits gibt es in der kognitionspsychologischen Literatur aber auch Hinweise darauf, dass zweisprachige Kinder gegenüber einsprachigen Vorteile im Bereich der exekutiven Funktionen (EF) haben, also übergeordneter kognitiver Kontrollfunktionen, die wiederum positiv mit akademischer Leistung zusammenhängen. Zu beachten ist auch, dass es in der Literatur auch kritische Stimmen gibt, die den Vorteil zweisprachiger Personen bezüglich EF nicht als hinreichend belegt ansehen. Das Projekt untersuchte daher zum einen die Entwicklung von EF, Sprachfähigkeiten und akademischen Kompetenzen bei ein- und zweisprachigen Kindern im Längsschnitt, zum anderen wurden die durch ein- und zweisprachige Grundschulkinder verwendeten Problemlösestrategien detailliert in experimentellen Designs untersucht. Die längsschnittliche Untersuchung ergab zunächst, dass sich keine systematischen Unterschiede in der Faktorenstruktur der EF bei ein- und zweisprachigen Grundschulkindern zeigen. Ferner konnten zwar die bekannten Zusammenhänge EF, Sprachfähigkeiten und akademischen Kompetenzen repliziert werden, die Unterschiede zwischen ein- und zweisprachigen Kindern waren jedoch gering. Eine zusätzliche Studie im Kontext der Leistungsentwicklung über den Lockdown in der Corona- Pandemie hinweg zeigte ebenfalls keine bedeutsamen Unterschiede zwischen ein- und zweisprachigen Kindern. In experimentellen Untersuchungen wurde die Verwendung verbaler Selbstinstruktionen beim Problemlösen, die Leistung und die durch Veränderungen der Pupillenweite operationalisierte Anstrengung gemessen. Weder ein- noch zweisprachige Kinder schienen sich auf verbale Strategien beim Problemlösen zu verlassen. In Bezug auf die Anstrengung ergab sich ein Unterschied zwischen sogenannten „heißen“ – also emotional-motivationa relavanten – und „kalten“ EF-Aufgaben. Während zweisprachige Kinder während der Lösung „kalter“ EF-Aufgaben weniger Anstrengung aufzuwenden schienen und sich somit ein Hinweis auf einen kognitiven Vorteil zeige, wiederholte sich dieser Unterschied in „heißen“ EF-Aufgaben nicht. Insgesamt ergaben sich im Projekt einige Unterschiede zwischen ein- und zweisprachigen Kindern in Bezug auf Details der Problemlöseprozesse (z. B. Anstrengung während „kalter“ EF-Aufgaben), insgesamt konnten aber eher Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Insgesamt können sich also Bemühungen zur Förderung der schulbezogenen Problemlösefähigkeiten gleichermaßen an ein- und zweisprachige Kinder richten, ohne zwischen den Gruppen zu differenzieren. In einer entsprechenden Folgestudie konzentrieren wir uns auf das Einüben kognitiver und metakognitiver Strategien. Die Ergebnisse des Projektes wurden in einem Presse-Beitrag der Leipziger Volkszeitung dargestellt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung