Immigrant Communities, Religious Identities and incorporation in Civil Society: Comparative Qualitative Insights for Germany and Switzerland
Religious Studies and Jewish Studies
Final Report Abstract
Das Projekt „Migrantengemeinschaften, religiöse Identitäten und zivilgesellschaftliche Einbindung“ war Teil eines Verbundes aus einem quantitativen und einem qualitativen Teilprojekt zur Erforschung kollektiver religiöser Identitäten in Deutschland und der Schweiz. Ziel des qualitativen Teilprojekts war es, die Rolle von Religionsgemeinschaften für die kollektive Identitätsbildung von Menschen mit Migrationsgeschichte besser zu verstehen. Dabei kamen verschiedene interne (Migrationsgeschichte, Generationswechsel) und externe Faktoren (Gefährdungsdiskurse gegenüber Muslim:innen, regulatorische Besonderheiten) in den Blick. Wie erhofft, hat das Projekt auf unterschiedlichen Ebenen zu wissenschaftlichen Fortschritten in der Erforschung von Religion und Migration beigetragen. Auf einer inhaltlichen Ebene konnte durch die religionsvergleichende Perspektive (bosnische Muslime vs. kroatische Katholiken) die bestehende Engführung der Migrationsforschung auf Muslim:innen überwunden werden. Dadurch ergeben sich auch neue Impulse für die Grundlagenforschung, etwa die unterschiedlichen Institutionalisierungspfade christlicher und nicht-christlicher Minderheiten. Auf einer methodischen Ebene bot der Verbund Gelegenheit zu einer umfassenden Erhebungs- und Ergebnistriangulation zwischen dem qualitativen und dem quantitativen Teilprojekt. Zwischenergebnisse der qualitativen Analyse lieferten Impulse für die quantitative Modellbildung und Anhaltspunkte zur Interpretation kausaler Mechanismen, die aus dem quantitativen Querschnitt allein nicht hätten gewonnen werden können. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört, dass die beiden Untersuchungsgruppen in der Tat deutliche Unterschiede in ihren Institutionalisierungspfaden und ihrer Grenzarbeit gegenüber den Residenzländern aufweisen: Bosnische Muslim:innen sehen sich angesichts antimuslimischer Gefährdungsdiskurse einem ausgeprägten Erwartungsdruck ausgesetzt und betonen vor diesem Hintergrund ihre Offenheit und Transparenz. Zugleich stehen ihre Gemeinden vor der Herausforderung, unter Bedingungen von Ehrenamtlichkeit und knappen Ressourcen ein großes Spektrum unterschiedlicher Aufgaben zu bewältigen (Religiöse Liturgien und Festtage, Gedächtniskultur, Aufklärungsarbeit, Unterstützungsleistungen). Demgegenüber können sich kroatische Katholik:innen in eine bestehende kirchliche und karitative Infrastruktur eingliedern, so dass sich das Gemeindeleben v.a. auf muttersprachliche Gottesdienste und die Pflege landsmannschaftlicher Bindungen bezieht. Zugleich bestand eine wichtige Gemeinsamkeit in Zweiteilung der Migrationsgeschichte in eine Phase der Arbeitsmigration in den 1960ern und der Fluchtmigration in den 1990ern. Auf diese Weise kam es zu einer Reaktivierung der Nationalität als kollektivem Identitätsmarker. Eine deutliche Zäsur für die Projektarbeit stellte die Corona-Pandemie dar, die sich mit kleineren Unterbrechungen über die gesamte zweite Hälfte der Bearbeitungszeit erstreckte. Dadurch wurden nicht nur die kontrastiven Nacherhebungen erschwert und die ursprünglich geplanten Gruppendiskussionen verhindert, sondern auch der Austausch innerhalb des Verbundes streckenweise beeinträchtigt.
