Ausgang der Forschungen war die Frage nach der Bedeutung von Insignien, die im Trauerzeremoniell von Herrschern gezeigt und ihnen mit ins Grab gegeben wurden, sowie deren Interdependenz mit Krönungsinsignien. Durch Auswertung von erhaltenen Realien in Verbindung mit Text- und Bildquellen zeigte sich, dass Funeralinsignien dieselbe theologische Begründung hatten wie Krönungsinsignien, und damit auch denselben Stellenwert im Rahmen des Herrschaftskonzepts. Beide Insignienkategorien gehen auf jene „Ur-Insignien“ zurück, die Gott bei der Krönung verleiht und die nach Rückgabe der Funeralinsignien als Replik dieser göttlichen Insignien erneut als himmlische Krone verliehen werden. Insofern erweist sich auch die Frage nach Original oder Kopie als nachrangig, wenn nicht gar obsolet. Die sakrale Aufladung der Insignien wurde entscheidend durch die Benediktionsformeln der Ordines und Legendenkonstrukte befördert. Sie wirkte auch in die Rechtssymbolik hinein, die in diesem Fall als ein Diesseits und Jenseits umfassendes Konzept verstanden werden muss. Denn die Insignienverleihung kann im Sinne eines zwischen dem Herrscher und Gott geschlossenen Vertrages interpretiert werden, dessen Inhalt die gute Herrschaft ist, und dessen Einhaltung der Herrscher unter Eid bei der Krönung verspricht. Zur Einlösung seines Versprechens weist er nach seinem Tod die abstrahierten Bildzeichensymbole in Form der Funeralinsignien vor. Sie sind also für sein Seelenheil von Bedeutung. Eine wichtige Änderung erfährt diese Vorstellung mit dem Protestantismus, als die Gottebenbildlichkeit aller Menschen die Herausgehobenheit des Herrschers relativiert. Die Folge ist eine Betonung der Demut in der Art, dass auf die Insignienbeigabe ins Grab ebenso verzichtet wird wie auf die Bekleidung des Toten mit den Salbungs- und Krönungsgewändern. Als eine Art Kompensation kommt es umgekehrt zu einer Zunahme der Insignienzahl innerhalb des Trauerzeremoniells: Gott gegenüber kommuniziert der Herrscher also Demut, dem Volk gegenüber weiterhin die gottgewollte Herrschaft. In der Frage der Form- und Materialikonographie zeigte sich, dass eine Angleichung zwischen Krönungs- und Funeralinsignien angestrebt wurde. Wenn besonders in materialikonographischer Hinsicht diese Angleichung aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist, weil Gold und Edelsteine der „Originale“ für uns eben nicht mit mit Gold bemaltem Holz und Glasflüssen gleichzusetzen sind, dann darf die positive theologische Deutung sogenannter minderer Materialien nicht außer acht gelassen werden: Holz konnte zum Beispiel den Lebensbaum/Christus (arbor vitae) assoziieren und war deshalb ein guter Begleiter auf dem Weg ins himmlische Jerusalem.