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Durch die rosarote Brille gesehen - Variationen in Affektivität und Sprachkompetenz: Einflüsse auf die Verarbeitung und Versprachlichung von figurativen und nicht-figurativen Ausdrücken für innere Zustände

Fachliche Zuordnung Angewandte Sprachwissenschaften, Computerlinguistik
Förderung Förderung von 2017 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 372577294
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Beim verbalen Ausdruck von inneren Zuständen spielen figurative (d.h. bildliche) sprachliche Mittel wie Metaphern eine wichtige Rolle. Sie dienen dazu, schwer fassbare, komplexe Zustände zu konkretisieren und die Gefühlswelt greifbarer zu machen. Beispielsweise verbindet der metaphorische Ausdruck „er lässt Dampf ab“ ein abstraktes emotionales Konzept (die Zieldomäne, hier Wut oder Frustration) mit einer körperbezogenen Erfahrung (die Quelldomäne, hier Druck). Darüber hinaus steigern figurative Sprachmittel die emotionale Involviertheit der an der Kommunikation Beteiligten. Angesichts dieser engen Verbindung zwischen emotionalen und sprachlichen Vorgängen liegt die Frage nahe, ob Menschen, deren emotionales Erleben aufgrund von psychischen Störungsbildern verändert ist, ihre Emotionen anders ausdrücken und/oder anders mit figurativer Sprache umgehen. Die Forschungslage dazu ist heterogen. Übergreifendes Ziel des Projekts war es daher, die Verarbeitung und Versprachlichung innerer Zustände mit figurativen Mitteln in unterschiedlichen Personengruppen und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen zu untersuchen. Detaillierte Analysen der Sprachproduktion in Bezug auf die Art und Häufigkeit verwendeter figurativer Ausdrücke zeigten, dass Patient:innen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern (Depression, Schizophrenie, bipolare Störung) sich nicht wesentlich von gesunden Personen unterscheiden, wenn sie innere Zustände in Worte fassen. In der produktiven Modalität ließ sich der in der Literatur oft postulierte „Konkretismus“ somit nicht bestätigen. Denkbar wären aber Besonderheiten in der neuronalen Verarbeitung figurativer Sprache. Dazu wurden zwei Experimente mit kontrollierten Stimuli entwickelt, in denen figurative versus wörtliche Ausdrücke in Sätzen bzw. im Kontext von Geschichten verarbeitet werden müssen. Im Zuge der aufwändigen Stimuluserstellung, bei der zahlreiche Parameter zu erfassen und zu kontrollieren waren, entstand die Metapherndatenbank MIST (Metaphors for Internal State Terms), die über die Webseiten der Universität Marburg öffentlich zugänglich gemacht wurde und nun für weitere Forschung zur Verfügung steht. Da die überwiegende Laufzeit des Projekts in die coronabedingten Schließungen fiel, konnten die geplanten MRT-Messungen leider nicht wie vorhergesehen durchgeführt werden. Eine Fortführung der MRT-Experimente nach Ablauf der Projektförderung erbrachte aber erste Ergebnisse, die auf neuronale Abweichungen in der Verarbeitung figurativer Sprache bei Personen mit Depression verweisen. Insgesamt konnte das Projekt das Wissen darüber bereichern, wie psychische Störungen zum einen die Verbalisierung von inneren Zuständen und zum anderen die Verarbeitung figurativer Sprache im Gehirn beeinflussen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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