Gedächtnis für Stimmen: Die Rolle von Aufmerksamkeit
Kognitive und systemische Humanneurowissenschaften
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Menschliche Stimmen sind nicht nur Träger von Sprache, sondern vermitteln auch wichtige nicht-sprachliche stimmliche Hinweise auf Sprechereigenschaften wie Identität oder Geschlecht . Aktuelle Modelle zur Stimmverarbeitung konzentrieren sich auf die Erkennung der Stimmidentität von vertrauten Sprechern, erklären aber nicht, (i) wie Repräsentationen von vertrauten Stimmen während des Lernens erworben werden, (ii) wie andere Sprecherattribute als die Sprecheridentität im Gedächtnis repräsentiert werden (z.B. das Geschlecht der Stimme), und (iii) wie Aufmerksamkeitsprozesse die Verarbeitung von Stimmidentität und Geschlecht modulieren. Um diese Lücken zu füllen, schlug ich zwei Forschungsstränge mit jeweils zwei Experimenten vor (E1 bis E4). Aufbauend auf unseren Erkenntnissen zu elektrophysiologischen Korrelate des Stimmenlernens zielte das Forschungsvorhaben darauf ab, verhaltensbezogene und elektroenzephalographische Marker des Stimmenlernens und der Stimmenerkennung zu untersuchen. E1 verglich zufälliges vs. absichtliches Stimmerlernen bei gesunden Hörern. Anschließend reagierten wir auf die zunehmende Nachfrage nach standardisierten Instrumenten zur Erfassung individueller Unterschiede im Stimmgedächtnis und entwickelten in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. A. Mayer (Universität Bielefeld, Deutschland), einem Experten für Item-Response-Theorie (IRT), den Jena Voice Learning and Memory Test (JVLMT). Dieses online-basierte Projekt (RE2) ersetzte E2, eine laborbasierte EEG-Studie, die ursprünglich geplant war, um Effekte der visuellen Aufgabenbelastung auf das Sprachgedächtnis zu untersuchen. Im zweiten Teil des Projekts wurden die Auswirkungen der räumlichen selektiven Aufmerksamkeit auf das Stimmengedächtnis bei Patienten mit eingeschränkter räumlicher Aufmerksamkeit untersucht. Zu diesem Zweck untersuchten wir Nacheffekte in der Wahrnehmung des Geschlechts von Stimmen nach auditiver Adaptation bei Patienten mit räumlichem Hemineglect (E3) bzw. mit monauralem Tinnitus (E4).
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Perceiving Speaker Identity from the Voice. The Oxford Handbook of Voice Perception, 538-560. Oxford University Press.
Schweinberger, Stefan R. & Zäske, Romi
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Perceptual Correlates and Cerebral Representation of Voices—Identity, Gender, and Age. The Oxford Handbook of Voice Perception, 560-584. Oxford University Press.
Latinus, Marianne & Zäske, Romi
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Voices to remember: Comparing neural signatures of intentional and non-intentional voice learning and recognition. Brain Research, 1711, 214-225.
Humble, Denise; Schweinberger, Stefan R.; Dobel, Christian & Zäske, Romi
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Phonetic perception but not perception of speaker gender is impaired in chronic tinnitus. Progress in Brain Research, 397-422. Elsevier.
Zäske, R.; Frisius, N.; Ivansic, D.; Schweinberger, S. R.; Guntinas-Lichius, O. & Dobel, C.
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The Jena Voice Learning and Memory Test (JVLMT): A standardized tool for assessing the ability to learn and recognize voices. Behavior Research Methods, 55(3), 1352-1371.
Humble, Denise; Schweinberger, Stefan R.; Mayer, Axel; Jesgarzewsky, Tim L.; Dobel, Christian & Zäske, Romi
