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STAYin(g)Rural Staying in the Rural: Contemporary Life Course related Senses of Belonging, Mobility and Rural Community Participation

Subject Area Human Geography
Term from 2018 to 2022
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 396899937
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Das STAYin(g)-Rural-Projekt untersuchte am Beispiel traditioneller ländlicher Abwanderungsregionen in drei europäischen Ländern Typen ländlichen Bleibens von Dorfbewohnerinnen und -bewohnern in unterschiedlichen Lebensphasen (junge Erwachsene, Familien und Personen in der Nacherwerbsphase) sowie Zusammenhänge zwischen Zugehörigkeitsgefühlen, Bleibeprozessen und der aktiven Beteiligung am gesellschaftlichen Leben vor Ort. Unsere auf einem multimethodischen Design basierenden Untersuchungen brachten ein differenzierteres Bild ländlichen Lebens und zugleich unterschiedlicher Bleibemotive zutage. Unsere Unterscheidung unterschiedlicher Bleibetypen, ergänzt um Rückkehrer*innen und Neuzugezogene, hat sich als für verschiedene Analysen relevante Typologie erwiesen. Aus subjektiver Perspektive können unterschiedliche Räume ebenso wie verschiedene räumliche Skalen (z. B. das Dorf oder die Region) für das Bleiben relevant sein. Bleiben kann somit nicht nur mit Alltags- und digitaler Mobilität verbunden oder kompensiert werden, sondern schließt auch nahräumliche residentielle Mobilität nicht zwangsläufig aus. Wesentliche Reflexionsfolien des Bleibens in bzw. des Verlassens von ländlichen Räumen ist das Leben in der „Stadt“ (ob erstrebenswert, selbst erlebt oder pauschal abgelehnt) und die verbreitete soziale Norm des Gehens, sprich des Nicht-Bleibens, die auf Vorstellungen von Bildungs- und sozialem Aufstieg beruht, und Gebliebene stigmatisiert. Um das Bleiben als gleichwertige Entscheidung weniger normativ und stärker analytisch zu fassen, erweiterten wir aufbauend auf Schewel (2020) die traditionelle Push-Pull-Perspektive der Wanderungsforschung um sozialräumliche Halte- und Abgrenzungs-Faktoren (retain bzw. repel). Geschlecht sowie soziales und ökonomisches Kapital sind für vergangenes Bleiben bzw. für Bleibeabsichten von Bedeutung, aber auch für das lokale und regionale bürgerschaftliche Engagement. Im Gesamtbild ergibt sich ein Geflecht sozioökonomischer und wohnbiographischer Faktoren, die für lokales und regionales zivilgesellschaftliches Engagement (und Nicht-Engagement) in einer stark alternden ländlichen Region von Bedeutung sind. Zur empirischen Untersuchung retrospektiven und künftigen Bleibens sind sowohl standardisierte Zugänge (Fragebögen) als auch biographisch-narrative Ansätze geeignet – trotz aller Selbstverständlichkeit, die viele Befragte ihren vergangenen Entscheidungen zuschreiben. Methodische und ethische Fragen begleiteten den gesamten Forschungsprojekt, auch, aber nicht nur im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf rekonstruktive Sozialforschung, die von persönlichen Kontakten geprägt ist. Mit unseren Forschungen – gerade auch im Rahmen des größeren Verbundprojekts – lassen sich Vorstellungen vom vermeintlich uninteressanten und passiven Bleiben grundlegend infrage stellen. Somit wird die Raum- und Migrationsforschung um eine zentrale Perspektive erweitert.

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