Die Übersetzung von Philosophie nach Japan in kulturphilosophischer Perspektive.
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Theoretische Philosophie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt »Die Übersetzung von Philosophie nach Japan in kulturphilosophischer Perspektive« betrachtet Philosophie in ihrem geschichtlichen Werden und untersucht an einem Beispiel, wie und unter welchen Bedingungen sich ihr Selbstverständnisses transformiert. Im Zentrum steht der historische Prozess, in dem sich japanische Gelehrte die akademische Philosophie westlich-europäischer Prägung zueigen machen und dabei das überlieferte Verständnis von Philosophie transformieren. Dieser Prozess beginnt mit der Öffnung Japans zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die historische Betrachtung gründet in einem metaphilosophischen Projekt, da es von der Frage geleitet wird, was Philosophie eigentlich ist. Diese Leitfrage ergibt sich daraus, dass ein der akademischen Philosophie inhärenter Widerspruch explizit gemacht wird: Sie ist vorrangig westlich-europäisch geprägt und hat sich in dieser Form globalisiert. Ihre Globalisierung kann aber nicht verdecken, dass Philosophie ihre historisch-geographische Verfasstheit nicht abstreifen kann, während sie ihrem Anspruch nach doch als universell auftritt. Diesen Widerspruch gilt es allerdings nicht aufzulösen oder zu überwinden, sondern transparent zu machen: Es ist Ernst Cassirer, der in seinem Ansatz die Historizität und Idealität von Philosophie aufeinander bezieht. Die Relationalität zwischen Geschichte und Idee von Philosophie kann als Motor ihrer Entwicklung betrachtet werden. Die im Anschluss an Cassirer formulierte These lautet, dass die Überlieferung und Aneignung von Philosophie über Raum und Zeit hinweg als Übersetzung zu begreifen ist. Diese Übersetzung ist nicht als eine statische Übertragung eines Begriffs von einer Sprache in eine andere zu verstehen, sondern bedeutet, dass der mit dem Begriff bezeichnete Gegenstand im Prozess der Übertragung eine Transformation durchläuft, insofern der Begriff von Philosophie durch die Sprache hindurch eine Verwandlung erfährt. Im Ergebnis wird gezeigt, inwiefern Philosophie selbst als Übersetzung konzeptualisiert werden muss und in dem Schnittpunkt von geschichtlichem Prozess und systematischem Anspruch zusammengeführt werden kann. Die Relevanz des Forschungsprojekts besteht primär darin, die geschichtliche Dynamik von Philosophie und ihre Transformation an den Rändern zu begreifen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Tetsugaku Companion to Ueda Shizuteru. Tetsugaku Companions to Japanese Philosophy. Springer International Publishing.
Ralf Müller; Raquel Bouso & Adam Loughnane (Eds.)
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Dōgen’s texts. Sophia Studies in Cross-cultural Philosophy of Traditions and Cultures. Springer International Publishing.
Ralf Müller & George Wrisley (Eds.)
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Kyoto in Davos. Intercultural Readings of the Cassirer-Heidegger Debate, edited by Tobias Endres, Ralf Müller, and Domenico Schneider. Culture and Dialogue, 12(1-2), 195-202.
Busacchi, Vinicio
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Übersetzung und Überlieferung von Philosophie. Philosophy of Translation, 1-4.
Hawkins, Spencer
