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European maps at the end of the Early Modern Period. Techniques of construction.

Subject Area Modern and Contemporary History
Early Modern History
History of Science
Term from 2018 to 2023
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 402754614
 
Final Report Year 2025

Final Report Abstract

Europäer fertigten im Zuge der europäischen Expansion in die Welt und des Kolonialismus in der Frühen Neuzeit eurozentrische Weltkarten. In Folge sind bis heute die meisten Weltkarten immer noch auf Europa zentriert. Die gesellschaftlichen und diskursiven Rahmenbedingungen der Herstellung von Karten werden in der Geschichtswissenschaft wenig thematisiert ebenso wenig wie die Wirkungen von Karten. Doch die Verdichtung von Raumvorstellungen zwischen 1700 und 1860 in Karten wirkten wiederum auf gesellschaftliche Diskurse ein und popularisierte diese. Noch zum Ende des 17. Jahrhundert waren die Europadarstellungen vielfältig. Die neuen Visualisierungstechniken der Kartographie, die schnellere Verbreitung von Wissen seit dem Buchdruck und Popularisierung von bildhaften Darstellungen gelehrten Wissens trugen zum Erfolg des Mediums Europakarte bei. Zu Beginn der Schulbuchproduktion im frühen 19. Jahrhundert, zu der auch Schulatlanten gehörten, waren die Europakarten vereinheitlicht und vermitteln bis heute einen abgeschlossenen und zentrierten Kontinent. Wie haben also die Experten die Wandlungen Europas und die vielschichtigen „europäischen Selbstverständnisse“ im deutschsprachigen Raum, die miteinander konkurrierten in den neuen Techniken der Weltendarstellung, aufgriffen? Mit welchen Mitteln konzipierten sie Europa als Ganzes und v.a. als geschlossenes Konstrukt? Die Herstellung und die hegemoniale Etablierung Europas in einer globalen Raumordnung nahmen bei der Herstellung von frühneuzeitlichen Karten einen zentralen Platz ein. Die Fragen nach der Genese von Faktizität des Europabildes, seiner geographischen und bildhaften Dimensionen, standen dabei im Zentrum dieses Forschungsprojektes. Das bedeutet, dass die Verwendung von kartographischen Techniken empirisch erfasst und in Bezug zur Zentrierung Europas gesetzt wurde. Es wurde daher analysiert, mit welchen kartographischen und textlichen Techniken in Karten und Atlanten von 1600 bis 1860 Europa zentriert wurde und damit auch hierarchisiert, also als der beste Kontinent dargestellt wurde. Bis heute werden Karten eine hohe Evidenz zugesprochen und sie können zu einem höheren Grad als Texte unmittelbare Sinneseindrücke auslösen. Karten kennen kein „wenn und aber“, keinen Konjunktiv oder „wenn dann“. Dies führt in ihrer Rezeption dazu, dass sie ähnlich wie Bilder, Fotografien oder Videos, vielfach als „wahr“ und als Abbildung von Wirklichkeit interpretiert werden. Anders gesagt, sie gelten oft ohne Zweifel als Merkmal von Wissenschaftlichkeit, Authentizität und Objektivität bzw. Wahrheit. Bei der Analyse des Faktenschaffens über das visuelle Medium der Karte spielt die Darstellung des „Eigenen“ eine entscheidende Rolle für die Rezeption von Karten. Dieses „Selbst“ wurde durch kartographische Produkte nicht nur konstruiert, sondern auch verfestigt. Die analysierten Grenzsetzungen in Europakarten des 18. und 19. Jahrhunderts wurden genutzt, um auf das konstruierte „Andere“ zu blicken und Konstruktionsprozesse besprechbar für die weitere Analyse der Zentrierung zu machen. Diese Betrachtungsweisen, bei denen es sich um die Anfänge des modernen Othering handelt, lassen Schlüsse in Bezug auf die Grundlagen der Repräsentation des „Europäischen“ zu. Die hier dargelegte Perspektive hat das Mittel der Vereindeutigung in den Darstellungen des Anderen und des Eigenen, die Differenzierung, ihre Hierarchisierung sowie deren Naturalisierung und damit den Beginn und Vervielfältigung epistemischer Machtbeziehungen als wirkmächtige Technologien der Zentrierung Europas ausgemacht. Ebenso wurde deutlich, dass europäische Geschlechterordnungen für die Konstruktion des Nicht-Europäischen epistemologisch von zentraler Bedeutung waren für die Überführung der Vielheit von Europabildern hin zu einem geschlossenen Bild Europas. Die Untersuchungsgrundlagen war ein Quellenkorpus aus frühneuzeitlichen Europakarten und Atlanten aus den wichtigsten Kartensammlungen Deutschlands und Wien und länderkundliche Literatur. Außerdem wurde für die Rezeption von Karten und die allmähliche Zentrierung Europas Forschungsliteratur ausgewertet die Kolonialdiskurse um eine europäische Vormachtstellung und ihrer Rechtfertigung ausgewertet hat.

Publications

  • Othering über rassifizierten Sexismus in der sozialen Praxis und in historischer Perspektive, in: Journal. Netzwerke Frauen- und Geschlechterforschung NRW, Nr. 41/2017, S. 63-68
    Muriel González Athenas
  • Sexismus und Rassismus in der Migrationsgesellschaft, in: Vielfalt Mediathek (gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), März 2017
    Muriel González Athenas
  • Popularisierungen von Geschlechterwissen seit der Frühen Neuzeit. Popularisierungen von Geschlechterwissen Seit Der Vormoderne, 7–42.
    Athenas, Muriel González & Schnicke, Falko
  • Europas Außengrenzen. transcript Verlag.
    Gradinari, Irina; Li, Yumin & Naumann, Myriam
  • Zwischen Raum und Zeit. De Gruyter.
    González Athenas, Muriel & Frohnapfel-Leis, Monika
  • Sexismus, Rassismus und Heteronormativität zusammen gedacht. Intersektionale Perspektiven in Ansgar Drücker, Sebastian Seng, Lea Winterscheidt (Hgg.), Antifeminismus und Feminismen der Migrationsgesellschaft, Druck Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2023. ISSN: 616 6027.
    Muriel González Athenas
 
 

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