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Gastfreundschaft und Gottvertrauen: Mittelalterliche Praktiken und Semantiken des Vertrauens

Fachliche Zuordnung Germanistische Mediävistik (Ältere deutsche Literatur)
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 403178526
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In Anbetracht des schwindenden Vertrauens in demokratische und politische Institutionen hat das Projekt mittelalterliche und frühneuzeitliche Praktiken und Semantiken des Vertrauens in historischer, medien- und literaturwissenschaftlicher Perspektive untersucht. In Auseinandersetzung mit der durch SIMMEL geprägten und bis heute vielfach variierten fortschrittsgeschichtlichen Annahme, dass das Institutionenvertrauen erst in der Moderne entsteht und in der Vormoderne das durch Gottvertrauen stabilisierte Personenvertrauen dominiert, untersuchte das Projekt zwei Teilbereiche der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur mit einem historisch-semantischen Ansatz einerseits, einem praxeologischen andererseits. Im ersten Projektbereich wurde die Semantik und Performativität von Gottvertrauen in mystischen Texten des Mittelalters (Mechthild von Magdeburg, Johannes Tauler) untersucht. Der zweite Projektbereich war den frühneuzeitlichen Flugblättern (16.–17. Jahrhundert) gewidmet, die Vertrauen und Misstrauen in unterschiedlichen Bereichen wie Ökonomie, Recht, Politik, Religion und Informationsmedien thematisieren und reflektieren. Von diesen Quellenbereichen ausgehend konnte das Projekt folgende Ergebnisse erzielen. Erstens konnten wir Interdependenzen zwischen religiösen (vertikalen) und sozialen (horizontalen) Vertrauenspraktiken nachweisen. So ließ sich zeigen, dass das christlich-mystische Vertrauen zu Gott auf Reziprozität, Performativität und Unwägbarkeit basiert und so strukturell vielen weltlichen Praktiken ähnlich ist – was sich wiederum anhand der Semantik und weltlichen Vergleichen und Analogien in den religiösen Texten nachweisen ließ. Zweitens konnten wir diese komplexe Reflexion von Vertrauenspraktiken im religiösen Bereich nutzen, um soziale Vertrauenspraktiken genauer zu analysieren. Dabei konnte drittens auch die historische Semantik von getriuwen/getriuwunge und später trûwen/vertrûwen erstmals detaillierter untersucht werden. Viertens konnten wir zeigen, wie auch in vormodernen Gesellschaften das Vertrauen in einzelne Personen mit dem Vertrauen in Verfahren und Medien verschränkt ist.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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