„Wirksamkeit interreligiösen Lernens durch Perspektivenübernahme bei unterschiedlichen Formen schülerorientierten Religionsunterrichts (RU): ein Cluster Randomized Controlled Trial“
Zusammenfassung der Projektergebnisse
In diesem Forschungsprojekt wurde 2018-2024 die Wirksamkeit verschieden stark schüler:innenorientierter Unterrichtseinheiten auf die interreligiöse Kompetenz von Schüler:innen untersucht. Die Auswirkungen unterschiedlich ausgestalteter Schüler:innenorientierung (vier Varianten einer sechstündigen Unterrichtseinheit) wurden durch Erhebung der entsprechenden Lernvoraussetzungen und Lernerfolge zu drei Messzeitpunkten (prä-, post-test und follow-up) überprüft. Ausgehend von einer konzeptionelle Fassung von Schüler:innenorientierung als inhaltlich und methodisch bestimmt und variiert sind entsprechend variierte Unterrichtsmaterialien für den Religionsunterricht in der Eingangsklasse des Beruflichen Gymnasiums in Baden-Württemberg ein erstes Ergebnis des Projekts. Darüber hinaus konnten bereits im Rahmen der Pilotstudie (N = 521 Schüler:innen) Skalen zur Messung von religionsbezogenem Wissen, religionsbezogener Perspektivenübernahme, verhaltensbezogener Einstellungen zu religiöser Perspektivenübernahme sowie von Unterrichtsqualität validiert werden. Der Hauptlauf (N = rd. 1800 Schüler:innen), bei dem Unterrichts- und Erhebungsqualität prozessevaluativ überprüft wurden, zeigte den größten Wissenszuwachs bei Schüler:innen, die in der am wenigsten schüler:innenorientierten Variante unterrichtet wurden. Die Fähigkeit zu religionsbezogener Perspektivenübernahme erfuhr den stärksten Zuwachs bei Schüler:innen, die mit mittlerer bzw. hoher Schüler:innenorientierung unterrichtet wurden. Einschlägige Einstellungsveränderungen konnten nicht beobachtet werden. Das Ergebnismuster der Beobachtungen spricht dafür, dass ein Mindestmaß an Wissen eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für das Erreichen hoher Kompetenz in religionsbezogener Perspektivenübernahme darstellt. Diese Resultate sprechen für die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung der Schüler:innen- bzw. Subjektorientierung im Religionsunterricht. Ein sozusagen optimaler Unterricht sollte den Ergebnissen zufolge für die Vermittlung der Inhalte, die hauptsächlich auf die Wissensvermittlung ausgelegt sind, eine relativ niedrige Subjektorientierung anvisieren, wohingegen die Förderung der Perspektivenübernahmefähigkeit durch eine mittlere (oder alternativ hohe) Subjektorientierung zu erwarten ist. Die beschriebenen Befunde verstärken die derzeit zunehmend kritische Diskussion an einem bloßen axiomatischen Gebrauch des Prinzips der Subjektorientierung und belegen den Sinn einer empiriebasierten Fachdidaktik. In Anschlussuntersuchungen sollte in diesem Sinne beispielsweise weiter geklärt werden, welche Schüler:innen/Subjekte bei einer didaktischen Strategie vorausgesetzt werden, wie Erfahrungsbezug gewährleistet werden kann und welche Rolle weitere Faktoren wie die Einbettung des zu lernenden Wissens spielen. Daneben sind analoge Untersuchungen zu anderen religionsdidaktischen Prinzipien wünschenswert. Im Sinne des Wissenstransfers in die Unterrichtspraxis fanden bereits Fortbildungen für die beteiligten Lehrpersonen statt, die ihre Fortsetzung nun in Informationen an Schulleitungen sowie in Studientagen und Fortbildungen für Verantwortliche in Aus- und Fortbildung sowie aktive Lehrpersonen finden.
