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Seelen und Yerba ernten: Franziskaner und Jesuiten als Wirtschaftsexperten im transatlantischen Verflechtungsraum (1535-1750)

Antragsteller Dr. Philip Knäble
Fachliche Zuordnung Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 404385263
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In Folge von Max Webers prominenter These vom Zusammenhang von Protestantismus und Kapitalismus bilden die Niederlande und England die bevorzugten Untersuchungsräume der frühneuzeitlichen Wirtschaftsgeschichte. Das Forschungsprojekt richtete den Fokus dagegen auf katholische Geistliche und Laienbrüder des Jesuitenordens im spanischen Imperium. Im Zentrum stand die Frage, wie es ihnen in wirtschaftlichen Praktiken gelang, ökonomisches Wissen zu erwerben und sich in sozialen Interaktionen als Experten eines ökonomischen Sonderwissens zu inszenieren. Die frühneuzeitliche Wirtschaftsgeschichte, so die These, lässt sich ohne den Einfluss katholischer Geistlicher nicht hinreichend erfassen, da sie die zeitgenössischen Semantiken, Institutionen und Praktiken des Ökonomischen über die Konfession hinaus entscheidend prägten. Räumlich und zeitlich beschränkte sich das Projekt auf den Verflechtungsraum des Atlantiks zwischen Spanien und den Kolonialstädten und Missionen in der Ordensprovinz „Paraguay“ im heutigen Nordargentinien, Paraguay, Uruguay und Südbrasilien von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Projekt versteht sich als Teil einer neuen Wirtschaftskulturgeschichte insofern auch als Beitrag zur seit der globalen Finanzkrise geführten gesellschaftspolitischen Diskussion um das Verständnis von Ökonomie und die Rolle ökonomischer Akteure, insbesondere der Legitimation von Wirtschaftsexperten. Die Arbeit im Projekt hat gezeigt, dass eine enge Verflechtung zwischen jesuitischen und weltlichen ökonomischen Aktivitäten bestand. Die gesichteten Quellen machen deutlich, dass die in der Selbstdarstellung der Jesuiten beschriebene und von der Forschung lange übernommene Autarkie der Jesuiten nicht nur nicht zutraf, sondern dass eine Trennung zwischen ordensinterner und weltlicher ökonomischer Sphäre vielmehr kaum möglich war. Denn in nahezu alle wirtschaftlichen Aktivitäten der Jesuiten waren auch – direkt oder indirekt – weltliche Akteure involviert. Somit trugen die Handelsaktivitäten und Korrespondenzen der Jesuiten zur interregionalen Verflechtung zwischen Córdoba und Santiago de Chile oder Buenos Aires und Potosí bei. Ebenso schufen die Jesuiten durch die Übersendung von Briefen, Prokuratoren und Missionaren über den Atlantik ein transatlantisches Netzwerk und trugen somit zu einer globalisierten Welt bei. Für die Entstehungsgeschichte des globalen Kapitalismus bilden die Untersuchung von katholischen Orden und insbesondere der Jesuiten in Südamerika deshalb einen wichtigen Baustein.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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