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Zwischen Kilikischem Taurus und Tigris - Glasierte Keramik des 8. bis 15. Jh. n. Chr. als Indikator kultureller Veränderungen?

Antragstellerin Dr. Eva Strothenke-Koch
Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Islamwissenschaft, Arabistik, Semitistik
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 405947605
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt verfolgte zwei verwobene Zielsetzungen. Zunächst wurde ein bislang in der Forschung eher unbeachteter geographischer Raum hinsichtlich der Erforschung frühislamsicher Keramik, insbesondere glasierter Erzeugnisse, in den Fokus gestellt. Die zweite Zielsetzung galt der Erforschung von Akkulturationsprozessen und bilateraler Beeinflussung materieller Kultur im Grenzbereich zweier Machtbereiche. Zur Komplettierung des Gesamtbildes wurde abweichend vom ursprünglichen Konzept auch die Distribution signifikanter Waren und Formen einfacher Gebrauchsware untersucht. Die bearbeitete Keramik wurde zusätzlich mittels naturwissenschaftlicher Methoden analysiert. Die detaillierte Betrachtung und Distributionsanalyse von Keramikgruppen, verwendeter Glasurtechniken und Dekorschemata ergab, dass Keramik als Indikator kultureller Veränderungen betrachtet werden kann. So spiegelt sich das Bedürfnis einer klaren Abgrenzung von der toleranten und offenen Politik der Umayyaden auch in der abbasidischen Keramik wider. Neue Leitformen entstehen und nicht zuletzt die Technik des Glasierens eröffnet weitreichende Möglichkeiten zur eigenen Identitätsstiftung. Eine vom Staat gelenkte, oder zumindest stark beeinflusste Keramikproduktion wurde der früh-abbasidischen Zeit nicht zuletzt aufgrund der Verbreitung von Leitgruppen glasierter Keramik des sogenannten »Samarra-Horizonts« zugesprochen, deren Entstehung mit der Verlegung der Kalifen-Residenz nach Samarra zusammenfällt. Sicher gab es weitere zentral gelenkte Produktionsstätten (z. B. bei in Ar-Raqqa oder Tarsus). Später im 11. Jh. und noch deutlicher im 12. Jh. sind dann wieder externe Einflüsse vor allem in Bezug auf Motive und Dekorationsschemata erkennbar. Diese Entwicklung lässt sich mit dem Schwinden des zentralisierten abbasidischen Einflusses auf die innen- und außenpolitischen Geschicke zurückführen, was sich offenbar auch auf die Keramikproduktion auswirkte. Zudem steht diese Entwicklung sicher mit den verstärkten Kontakten zum Byzantinischen Reich seit dem Ende des 10. Jhs. in Verbindung. Diese Kontakte brachten nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen, sondern auch bilateralen Kulturaustausch mit sich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass glasierte Keramik für die Zeit des Abbasiden-Kalifats grundsätzlich politische, historische und kulturelle Veränderungen anzeigt. Im Mikrokosmos einzelner Fundplätze sind die Ergebnisse stets stark von der Qualität und Quantität der Funde sowie ihrer Einbettung in chronologisch und funktional bestimmbare archäologische Sequenzen abhängig. Für das abbasidische Kalifat als Makrokosmos zeigen sie aber Veränderungen auf, die mit historischen Gegebenheiten verbunden werden können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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