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Zum analytischen Potenzial qualitativer Längsschnittinterviews im Rahmen der empirischen Sozialisationsforschung

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 405985489
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersucht das analytische Potenzial qualitativer Längsschnittinterviews. Dazu wurden Veränderungen der Selbstartikulation von Jugendlichen und Erwachsenen, die über einen längeren Zeitraum mehrfach interviewt wurden, als Dokumente einer „registrierend konservierten“ (Bergmann 1985) sozialen Situation re-analysiert. Darauf aufbauend lässt sich nachvollziehen, wie die interviewte Person im Zuge ihrer Gesprächsbeiträge sich „rekonstruierend“ auf soziale Wirklichkeiten außerhalb der unmittelbar protokollierten Gesprächswirklichkeit bezogen hat. Demzufolge sind die im Sozialisationsprozess habitualisierten Elemente des Tuns einer Sprecherin in erster Linie ablesbar an der Art und Weise, wie diese den „Aktivitätsrahmen“ (Schütze 1987) der sozialen Situation Interview mitgestaltet. Bei den Jugendlichen wurde ein sich über die Interviews ausdifferenzierendes Repertoire narrativer Kompetenzen in themenspezifischen narrativen Episoden deutlich. Deren Relation zu themenübergreifenden Selbst- und Fremdpositionierungen ließ sich insbesondere über das Erzählte Ich erschließen, mit dem sich ein biographisch werdendes Selbst artikuliert. Im Vergleich zeigt sich in den biographischen Interviews der Erwachsenen eine stärker reflektierende Selbstartikulation des gewordenen Selbst, z.B. in Form wiederkehrender Stegreiferzählungen. Die Modi der Selbstartikulationen wurden auf die Ergebnisse der Genogrammanalysen (Bohler 2006) bezogen, die von objektiven Lebensdaten zur sozialen Herkunft und den Stationen institutionalisierter Lebensereignisse ausgehen. Der zentrale Ertrag des Projekts ist die Vorlage eines methodisch-analytischen Konzepts zur Rekonstruktion von Prozessen der Habitusformierung und -transformation, die sich in konstanten oder wandelnden biographischen Artikulationsmustern in Interviewgesprächen zeigen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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