Morphologische und funktionelle Charakterisierung Makulärer Teleangiektasien Typ 2
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Bei Makulären Teleangiektasien Typ 2 (MacTel) handelt es sich um eine bilaterale, langsam voranschreitende Netzhauterkrankung, deren Ätiologie bislang unzureichend verstanden ist, und die mit charakteristischen Gefäßveränderungen sowie neurodegenerativen Veränderungen im Bereich der Makula einhergeht. Als schwerwiegende Komplikation der Erkrankung kann es zum Auftreten sekundärer Neovaskularisationen kommen, die unbehandelt zu einem raschen und irreversiblen Visusverlust führen können. Anhand dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass der für MacTel charakteristische Verlust der Makulapigmentdichte als Prädiktor und Biomarker für den weiteren Erkrankungsverlauf herangezogen werden kann. Wir konnten nachweisen, dass anhand des Pigmentverteilungsmusters Aussagen über zukünftig zu erwartende morphologische und funktionelle Defizite getroffen werden können. Dies könnte es in der klinischen Praxis erleichtern, eine bessere Einschätzung der zu erwartenden Krankheitsprogression und des individuellen Outcomes zu treffen und somit letztlich zu einer verbesserten individuellen Patientenberatung führen. Weiterhin wurde die Rolle charakteristischer morphologischer retinaler Veränderungen bei Patienten mit MacTel untersucht, und gezeigt, dass bestimmte Veränderungen, die mittels multimodaler retinaler Bildgebung dargestellt werden können, als Warnzeichen für die Erkrankungsprogression und die Entstehung Visus-gefährdender, sekundärer Neovaskularisationen dienen können. Morphologische Charakteristika, die der Entstehung exsudativer Neovaskularisationen vorausgingen, umfassten einen beschleunigten Photorezeptorverlust, hyper-reflektive Veränderungen sowie eine retinale Dickenzunahme im Bereich der temporalen Parafovea in der optischen Kohärenztomographie (OCT), eine Depletion des fovealen Pigmentpeaks, eine fokal erhöhte Perfusion im Bereich der äußeren Netzhaut/ Choriocapillaris sowie die Ausbildung retinal-retinaler und retinal-choroidaler Anastomosen. Das Erkennen solcher Warnzeichen kann es in der klinischen Praxis ermöglichen, gefährdete Patienten frühzeitig zu identifizieren und durch engmaschiges Monitoring und eine frühere Behandlung irreversiblen Funktionsverlust zu verhindern. Weitere vaskuläre Veränderungen wurden im Erkrankungsverlauf mittels multimodaler Bildgebung dargestellt und quantifiziert, und es wurde gezeigt, dass es zu einer messbaren Rarefizierung und Verlagerung vaskulärer Veränderungen in tiefere Netzhautschichten sowie in den Bereich der avaskulären Schicht mit Progression der Erkrankung kommt. Außerdem konnte erstmals gezeigt werden, dass es bei MacTel zu einer unregelmäßigen und insgesamt verminderten Perfusion der Choriocapillaris kommt, und diese Veränderung bereits in frühen Stadien der Erkrankung nachweisbar ist. Diese Ergebnisse liefern neue Hinweise auf die der Erkrankung zugrunde liegende Pathophysiologie. Außerdem konnten wir im Rahmen dieser Arbeit erstmals zeigen, dass Patienten mit MacTel unter einer Einschränkung ihres dreidimensionalen Sehens leiden, und dies mit den bei der Erkrankung charakteristisch auftretenden parazentralen Gesichtsfeldausfällen (Skotomen) assoziiert ist. Eine Funktionstestung, die über die reine Visustestung hinausgeht und die Symptome der Patienten daher besser widerspiegelt, sollte in der klinischen Praxis und zukünftigen Studien Berücksichtigung finden. Zusammenfassend konnte durch die in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse zur Verbesserung des Verständnisses von bildgebenden Markern beigetragen und neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie der Erkrankung MacTel gewonnen werden. Hieraus entstehende mögliche Implikationen für die klinische Praxis umfassen eine bessere Einschätzung der zu erwartenden Krankheitsprogression und des individuellen Outcomes und somit letztlich eine verbesserte individuelle Patientenberatung und -versorgung.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Macular Pigment Distribution as Prognostic Marker for Disease Progression in Macular Telangiectasia Type 2. American Journal of Ophthalmology, 194, 163-169.
Müller, Simone; Charbel, Issa Peter; Heeren, Tjebo F.C.; Thiele, Sarah; Holz, Frank G. & Herrmann, Philipp
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Stereoscopic Vision in Macular Telangiectasia Type 2. Ophthalmologica, 241(3), 121-129.
Müller, Simone; Heeren, Tjebo F.C.; Nadal, Jennifer; Charbel, Issa Peter; Herrmann, Philipp; Holz, Frank G. & Wabbels, Bettina K.
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Quantification of Retinal and Choriocapillaris Perfusion in Different Stages of Macular Telangiectasia Type 2. Investigative Opthalmology & Visual Science, 60(10), 3556.
Tzaridis, Simone; Wintergerst, Maximilian W. M.; Mai, Clarissa; Heeren, Tjebo F. C.; Holz, Frank G.; Charbel, Issa Peter & Herrmann, Philipp
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Morphological characteristics preceding exudative neovascularisation secondary to macular telangiectasia type 2. British Journal of Ophthalmology, 106(12), 1736-1741.
Hess, Kristina; Charbel, Issa Peter; Holz, Frank G. & Tzaridis, Simone
