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The Water Works' Camps in the Lublin District, 1940-1942. Hubs of the Persecution of Jews in the General Government?

Applicant Dr. Frank Grelka
Subject Area Modern and Contemporary History
Term from 2018 to 2023
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 406251089
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Das Projekt schlägt eine neue Chronologie des Holocaust in Polen vor und untersucht diese im Hinblick die Bedeutung von Geld und Arbeit im Generalgouvernement. Es argumentiert, dass sich die Ermordung der polnischen Juden genau dort manifestierte, wo die "Judenpolitik" des Generalgouvernements der Kriegswirtschaft abträglich war und wo Habgier und der Geiz treibende Kräfte des Holocaust waren. Die Verwaltung des Generalgouvernements erpresste unter der Androhung gesundheitsgefährdender Lagerarbeit bis März 1941 sämtliche monetäre und nicht-monetäre Mittel aus der polnisch-jüdischen Gesellschaft. Gleichzeitig entschied sich die deutsche Verwaltung ganz bewusst gegen eine produktive Verwertung der jüdischen Arbeitskraft. Bevor es einen direkten Befehl zur Tötung aller Juden gab und bevor die Mittel dazu vorhanden waren, schufen sie ein System der Erniedrigung, Entmenschlichung und Ermordung, das nicht von Berliner Stellen angeordnet wurde und keine wirtschaftlichen Ursachen hatte. Dieses System der Zwangsarbeit spiegelte lediglich ihre völkermörderische Einstellung und schiere Grausamkeit gegenüber den Juden wider, d.h. sie waren nicht nur willige Henker, sondern Henker avant la lettre. Das Projekt begreift den Genozid also nicht als den Zeitpunkt, zu dem alle polnischen Jüdinnen und Juden ermordet sind, sondern als das organisatorische Prinzip der gesamten Politik im Generalgouvernement. Es ging darum, Verfolgungspraxis und Vernichtungsintention und Verschwendungsdynamik nebeneinander zu stellen, um aus der scheinbaren Widersinnigkeit etwas Neues über die innere Logik des Holocaust auszusagen. Das Forschungsprojekt zeitigte zwei unerwartete Ergebnisse. Einmal, dass die deutsche Verwaltung in Polen – ganz offensichtlich zum Schaden der deutschen Kriegswirtschaft – seine im Zuge der wirtschaftlichen Marginalisierung der besetzten Bevölkerung exponentiell steigenden Überschüsse öffentlicher Gelder hortete. Zweitens, dass sie mit diesen Gewinnen den außerordentlichen Haushalt (dazu gehörte das Budget der Abteilung Wasserwirtschaft) verstärkte und diese Verstärkung als Ausgaben im ordentlichen bzw. Anweisung vom ordentlichen in den außenordentlichen Haushalt deklarierte. Dabei handelt es sich um eine Unterschlagung von Steuergelder in Höhe von mehreren 100-Millionen Złoty (Verhältnis Złoty-Reichsmark = 2:1), die ansonsten den Reichshaushalt hätten entlasten können. Im Vergleich zur Ausgangsthese aus dem Titel, erwiesen sich die Wasserwirtschaftslager zweitens nicht nur als Umschlagplätze für den Holocaust, sondern waren bis 1942 der gefährlichste Ort für polnische Juden im Generalgouvernement. Im Zuge der sog. Endlösung funktionierten sie dann als Transitorte für der Vernichtungslager Sobibór und konnten als solche das letzte Refugium für jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung sein. Als Reaktion auf die Veröffentlichung des Aufsatzes in den „Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte“ erschien in der Tagezeitung „Die Welt“ am 9. Januar 2023 ein Artikel von Sven Felix Kellerhoff unter dem Titel „Mit Vernichtung durch Arbeit begann der Holocaust“.

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