Die Entwicklung von Aspekt im Mittelpersischen
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Trotz zweier Projektwechsel und pandemiebedingter Schwierigkeiten konnten die ursprünglich anvisierten Projektziele überwiegend erreicht werden. Die aspektuelle Verwendung des sogenannten Präteritums wurde durch weitere Beispiele aus verschiedenen Textkorpora gestützt und die späte Entwicklung des resultativen Perfekts aufgezeigt. Die Entwicklung des Imperfektivs zu einem –indogermanistisch gesprochen– Injunktiv und die Entwicklung eines neuen Imperfektivmarkers wurden dargestellt. Die formale und funktionale Beschreibung des Verbalsystems kann damit von der altpersischen bis in die frühneupersische Epoche erfolgen. Dies erfüllt die im Antrag genannten Ziele 1, 2 und 4. Die Projektergebnisse erfordern einen Paradigmenwechsel in der Iranistik. Bisher wurden sämtliche Verbalsysteme historischer und moderner iranischer Sprachen mithilfe eines Tempussystems erklärt. Dabei scheint Tempus als grammatische Kategorie entweder nicht vorhanden zu sein oder zumindest nur marginal zum Ausdruck zu kommen. Für das Mittelpersische kann dies nun als gesichert angesehen werden. Erkenntnisse aus meinen Dialektstudien legen nahe, dass sich bestimmte mittelpersische Dialektbereiche unabhängig von dem Dialektbereich weiterentwickelten, aus dem das Neupersische hervorging. Zwar ist Ziel 3 des Antrags nicht erreicht worden, jedoch zeigte sich, dass die Möglichkeit in Betracht gezogen werden muss, dass es sich bei den sogenannten mittelpersischen Texten der frühneupersischen Zeit nicht um Texte handelt, die sich am sasanidischen Standard orientierten und somit dem Mittelpersischen zuzurechnen sind, sondern den lokalen frühneupersischen Dialekt der zoroastrischen Gemeinde wiederspiegeln. Auch hierbei handelt es sich um eine neue Erkenntnis, die der Communis opinio entgegensteht. Bisher wurden neuiranische Züge zoroastrischer Texte in mittelpersischer Schrift als Interferenzen seitens der Schreiber beim Kopieren alter Texte gedeutet. Wie im Antrag erwähnt, werden die erarbeiteten Forschungsdaten öffentlich zugänglich gemacht. Die erstellte Datenbank wurde in Form einer Liste finiter Verben von 1.714 Einträgen mit mehr als 20.000 Belegstellen für die Belange eines Glossars dem MPCD-Projekt zur Verfügung gestellt und ist über die Webseite des Projekts frei zugänglich. Durch die Weiterführung des Projekts durch zwei Forschende werden Teilergebnisse in Artikelform veröffentlicht. Die Ergebnisse der dritten Projektphase werden zusammen mit den theoretischen Erkenntnissen des Gesamtprojekts veröffentlicht werden.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Vortrag am 15/16. November 2019: “Innovations and archaisms in the verbal system of West Iranic languages”. Workshop on Linguistic and cultural contacts in the Eastern Mediterranean and adjacent areas, University of Nicosia, Zypern.
Jügel, Thomas
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Vortrag am 16. September 2019: “Iranic verbal categories in space and time”. Workshop on the Verbal Complex of Iranian Languages, Universität Konstanz, Deutschland.
Jügel, Thomas
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Online-Vortrag am 19. März 2022: “Tense in Time – The development of Iranic verbal categories and the difficulty of naming them” The Philological Society, Cambridge, UK.
Jügel, Thomas
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Historical Dialectology of Persian and the Dialects of the Fārs Province. The Handbook of Persian Dialects and Dialectology, 99-128. Springer Nature Singapore.
Jügel, Thomas
