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Globale Gotik – Neugotische Sakralarchitektur im 20. und 21. Jahrhundert

Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 406434623
 
Es gibt in der ganzen Welt eine mindestens dreistellige Anzahl von großen neugotischen Sakralbauten, die während des 20. und 21. Jahrhunderts begonnen und errichtet wurden, bzw. an denen noch weitergebaut wird. Hierbei handelt es sich zumeist um Kathedralen der verschiedenen christlichen Konfessionen bzw. Wallfahrtskirchen von monumentalen Dimensionen. Von der kunsthistorischen Forschung werden sie aus verschiedenen Gründen weitgehend ignoriert. Zunächst geschieht dies, weil die stilistisch eigenständige "Neugotik" mit dem Beginn der Moderne kunsthistorisch als beendet gilt. Was danach noch in diesem Stilidiom errichtet wurde, wird als künstlerisch minderwertig betrachtet. Des Weiteren befindet sich die Mehrzahl der Bauten außerhalb des "gotischen" Kernkontinents Europa, weshalb sie von der traditionellen Forschung zu Gotik und Neugotik eher herablassend betrachtet werden.Das Forschungsprojekt möchte die Perspektiven umkehren: Die Bauten werden ernstgenommen, weil zu deren Errichtung großer organisatorischer, finanzieller und künstlerischer Aufwand betrieben wird. Ihre Rolle im Prozess von Nation-Building und Identitätsstiftung wird untersucht, ebenso ihre Funktion in Bezug auf religiöse und konfessionelle Geltungsbehauptungen. Gerade in solchen Zusammenhängen spielt die Tatsache, dass sie sich meistenteils außerhalb von Europa befinden, eine besonders große Rolle. Denn daraus ergeben sich Perspektiven für die Erschließung der bis heute andauernden globalen Neugotik im Sinne einer postkolonialen Kunstgeschichte.Darüber hinaus wird versucht, diese Bauten als Elemente alternativen Architektur- und Stilgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts zu verstehen und darin einzuordnen. Zudem sind praktische Fragen zu stellen, wie z.B. gotische Formen und Bautechniken in die Moderne transferiert wurden, wer die Architekten sind, welche Ausbildung sie erfahren haben etc. In dem Projekt wird auf einer oberen Ebene versucht, dieses globale Phänomen systematisch zu erfassen und zu analysieren. Vertiefend dazu sollen Detailstudien in verschiedenen Kulturkreisen durchgeführt werden, wofür in der Regel lokale Archivstudien an exemplarischen Orten notwendig sind. Dies soll in drei exemplarischen Weltregionen geschehen: In Lateinamerika, wo die Neugotik eigentlich erst im 20. Jahrhundert zu einem relevanten Thema wurde; in Nordamerika, wo es neugotische Tendenzen zwar schon seit dem 19. Jahrhundert gab, wo aber im 20. und 21. Jahrhundert eine ganz eigenständige und originelle Weiterentwicklungen der Neugotik stattgefunden hat; und schließlich in Australien, wo eine Fortsetzung der englischen Neugotik des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zu beobachten ist. Alle Regionen stehen zudem exemplarisch für andere (z.B. Südafrika und Indien), die aus pragmatischen Gründen innerhalb der Frist, für die eine Förderung beantragt wird, nicht behandelt werden können.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich(e) Dr. Barbara Borngässer
 
 

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