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ERN/Ne und Feedback-Negativity als Korrelate dispositioneller Ängstlichkeit: Zur experimentellen Untersuchung von reaktiver Kontrolle und Suggestibilität

Antragstellerinnen / Antragsteller Professor Dr. André Beauducel; Professorin Dr. Anja Leue
Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2018 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 406545285
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die wichtigsten wissenschaftlichen Fortschritte des DFG-Projekts können wie folgt zusammengefasst werden: Mit Studie 1 konnte eine deutschsprachige online-Version der Gudjonsson Suggestibility Scale 1 mit Unipark untersucht, validiert und normiert werden. Ein psychometrisch hochwertiges Instrument zur Online-Messung der Trait-Suggestibilität ermöglicht einen alternativen Einsatz dieser Skala zur Präsenzvariante der GSS in psychometrischen wie in experimentellen Studien. Messäquivalenz für verschiedene Invarianzarten wurde für Geschlecht auf der Skala Yield 1 und für Yield 2 für die Forschungseinrichtungen nachgewiesen. Neben Skalenwerten werden in der Publikation von Hein et al. (2021) Informationen zu faktorwertbasierten Auswertungen angeboten. Normwerte zur deutschsprachigen online GSS 1 sind für Forschende von Interesse wie auch in diagnostischen Anwendungsfeldern. Mit Studie 2 wurde ein Beitrag zur Erklärung des Zusammenhangs von Trait-Ängstlichkeit mit der ERN/Ne geleistet. Es zeigte sich, dass sowohl eine primär kognitive Manipulation (negative Kognitionen/Sorge aufgrund negativer Leistungsrückmeldung) als auch der emotional-aversive Gehalt der Fehlerrückmeldung (Schrei) den Zusammenhang der Trait-Ängstlichkeit mit der ERN/Ne modulieren. Offenbar spielt vor allem die motivationale Relevanz von Fehlern für die Ausprägung der ERN/Ne eine Rolle. Modelle, die spezifische kognitive oder spezifische affektive Mechanismen in den Vordergrund stellen, finden somit in Studie 2 keine Bestätigung. Die Ergebnisse deuten vielmehr auf die Relevanz des Zusammenspiels kognitiver und affektiver Mechanismen, welche die motivationale Relevanz von Fehlern gemeinsam determinieren, hin. Es konnte somit weder spezifisch die kompensatorische Fehler-Monitoring Hypothese noch die Annahme zum emotionalen Gehalt von Fehlern bestätigt werden. In Studie 3 wurden in der bisherigen Auswertung Annahmen zur integrativen Konflikt-Monitoring-Theorie und der revidierten Verstärkungs-Theorie anhand der stimulus-bezogenen N2-Komponente in den Blick genommen. Höhere Werte in Yield 1 stehen in Zusammenhang mit einer intensiveren Negativierung der N2-Komponente. Höhere Yield 2 Werte gehen demgegenüber mit einem weniger intensiven Konflikt-Monitoring (d.h. weniger negative N2 Komponente) einher. Das Ergebnis zeigt, dass eine frühe feedback-orientierte Aktivierung der Comparator Funktion des Behavioral Inhibition Systems bei höheren Yield 1 Werten auftritt (d.h. wenn Personen erstmals affirmativen Frageinhalten zustimmen). Der Trait-Ausprägung in Yield 1 kommt damit eine informationssuchende und -vergleichende Funktion zu (N2 Negativierung), die frühzeitig dazu beitragen könnte fehlerbezogene Reaktionen zu vermeiden. In weiteren Auswertungen zu Studie 3 sollen die Variationen der ERN/Ne und der FN-Komponente ergänzend zur N2-Komponente untersucht werden. Dabei wird differenziellpsychologisch und kontextbezogen untersucht, ob interindividuelle Unterschiede in der Trait-Suggestibilität und der Trait-Ängstlichkeit bei performanz-kompatiblem bzw. performanzinkompatiblem Feedback mit Variationen in der ERN/Ne, der FN und der Verhaltensdaten einhergehen. Auf dieser Basis kann dann auch für Studie 3 Stellung genommen werden zur Bestätigung der kompensatorischen Fehler-Monitoring-Hypothese bzw. der Annahme über den emotionalen Gehalt von Fehlern.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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