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Die Bedeutung von Gold aus Armenien für die bronzezeitliche Kulturentwicklung Kaukasiens

Antragsteller Dr. René Kunze
Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 410373002
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ausgehend von den Voruntersuchungen im Rahmen einer Sonderinitiative des Kultusministeriums Sachsen-Anhalts (2010–2012) fanden ab 2020 systematische archäologische Felduntersuchungen sowie detaillierte geologische und archäometallurgische Untersuchungen in Ostarmenien statt. In dem topografisch klar umgrenzten Naturraum des östlichen und nördlichen Sewansee-Gebietes (Provinz Gegharkunik) konnten die allgemeinen Nutzungsmuster im Bereich der anstehenden Goldvorkommen und ihre Zusammenhänge für die Bronzezeit erforscht werden. Durch die analytische Untersuchung von 80 Gold- und vier Silberobjekten aus neun aktuellen und früheren Ausgrabungsstätten, die über das gesamte Gebiet Armeniens verbreitet vorliegen, konnten wichtige neue Erkenntnisse zum verwendeten Rohstoff, zu den Legierungen und technologischen Aspekten gewonnen werden. Es zeigte sich eindrucksvoll, dass in Gräbern niedergelegte Goldobjekte in einem Zeitraum vom 26. Jh. v. Chr. (späte Frühbronzezeit) bis in die urartäische Zeit (8.–6. Jh. v. Chr.) keine nennenswerten Veränderungen im Hinblick auf die verwendete Legierung erfuhren. Bis auf vier Objekte wurden alle weiteren Goldartefakte aus einem sehr silberreichen Naturgold hergestellt. Untersuchungen im Rahmen des Projektes konnten zweifellos belegen, dass das Silber nicht intentionell hinzugefügt wurde. Mehrere Goldvorkommen im Kaukasus konnten somit bereits als Rohstofflieferant ausgeschlossen werden. Dazu zählen die Primärvorkommen von Sotk in Armenien und jene von Sakdrisi in Georgien sowie Sekundärvorkommen (Seifen-Lagerstätten) aus dem Großen (Region Swanetien) und Kleinen Kaukasus (Bolnisi-Dmanisi Region in Georgien sowie die Vorkommen bei Dilijan und Sotk in Armenien). Nur ein Vorkommen konnte mit der chemischen Zusammensetzung der untersuchten Objekte korreliert werden. Dabei handelt es sich um das im Rahmen der lagerstättenkundlichen Voruntersuchungen neu entdeckte und dokumentierte Vorkommen Tsarasar, südlich der Lagerstätte Sotk gelegen, das sich in seiner Geochemie deutlich von diesem unterscheidet. Der natürliche Silberreichtum im Naturgold der Seifenlagerstätte zeigte klare Parallelen zum untersuchten Objektgold. Es konnte gezeigt werden, dass eine Rohstoffherkunft des Goldes aus einer Lagerstätte, deren Genese dem des Tsarasar-Vorkommens entspricht, anzunehmen ist. Weiterhin ließ sich feststellen, dass Objekte in Gräbern bis zum 1. Jt. n. Chr. häufig aus einer Goldcharge hergestellt wurden und nach dem 1. Jt. v. Chr. vornehmlich das Metall „recycelter“ Objekte verwendet wurden. Die auf der Artanish-Halbinsel (nördlicher Sewansee) durchgeführten Feldarbeiten erbrachten wichtige neue und sehr überraschende Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Situation und Infrastruktur der bronzezeitlichen Bevölkerung. Dabei zeigte sich in der Siedlung Artanish 9 erstmals, dass eine frühbronzezeitliche Siedlung aus der entwickelten Phase der Kura-Araxes-Kultur ganzräumig befestigt worden war. Trotz zahlreicher Ausgrabungen in anderen Kura-Araxes-Siedlungen konnten vor den Untersuchungen in Artanish 9 an keiner anderen Fundstelle Befestigungen dieses Ausmaßes beobachtet und dokumentiert werden. Ein direkter Zusammenhang zur potentiellen Nutzung der Goldvorkommen ist möglich, bleibt aber noch hypothetisch. Die Felduntersuchungen konnten multidisziplinär durchgeführt werden, d. h. es wurde dabei auf zahlreiche Ressourcen und Disziplinen zurückgegriffen (Geophysik, Archäobiologie, Archäozoologie etc.). Die Untersuchungen zu Artanish 9 und zwei benachbarten Gräberfeldern (Spätbronze- bis Mittlere Eisenzeit) stellen die ersten systematischen archäologischen Forschungen in der Region nördlicher Sewansee dar und konnten den Topos klar widerlegen, dass diese Region für die bronzezeitliche Entwicklung keine nennenswerte Rolle gespielt habe.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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