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Die Produktionsmechanismen von Ejektiven im Deutschen, Englischen und Georgischen

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2018 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 411345078
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt untersuchte die akustischen, aerodynamischen und artikulatorischen Mechanismen von Ejektiven im Deutschen, Georgischen und Englischen. Ejektive kommen in etwa 16–20% der Sprachen der Welt vor. Am Anfang von Wörtern wie passen oder Tassen werden Plosive produziert: der Mund und der Weg durch die Nase werden geschlossen. Luft aus der Lunge staut sich im verschlossenen Mund auf, bis der Verschluss gelöst wird – es entsteht eine kleine Explosion. In der üblichen Beschreibung von Ejektiven werden nicht nur der Mund und die Nase geschlossen, sondern auch die Stimmlippen bilden einen Verschluss, d. h. der Weg zur Lunge ist auch gesperrt. Der Kehlkopf, in dem sich die Stimmlippen befinden, wird angehoben, was zu einer Verkleinerung des Mundraums und einem Luftdruckanstieg führt, der bei der Lösung des Verschlusses im Mund auch zu einer Explosion führt. Ejektive gehören weder zum regulären Lautinventar des Deutschen noch des Englischen, dennoch treten in bestimmten Kontexten im Deutschen und im Englischen ejektiv-klingende Laute auf, z. B. im Deutschen am Ende des Wortes weht im Satz Über die Felder weht ein Wind. Im Englischen hingegen treten ejektiv-klingende Laute oft am Ende von Äußerungen auf, wo das letzte Wort am Ende ein p, t oder k hat, z. B. black. Das Projekt hat untersucht, wie ejektiv-klingende Laute im Deutschen und Englischen erzeugt werden und sie mit Ejektiven im Georgischen verglichen, wo sie einen regulären Teil des Lautinventars bilden. Mit verschiedenen Methoden wurde die Aktivität der Stimmlippen und des Kehlkopfs untersucht sowie Luftdruckveränderungen im Mund aufgezeichnet. MRT-Aufnahmen von einem Teil der deutschen und georgischen Muttersprachlerinnen wurden auch gemacht, um Veränderungen im Mund- und Rachenraum zu erfassen. Bei deutschlernenden georgischen Muttersprachler*innen wurde untersucht, wie sie die deutschen Plosive (p t k b d g) erwerben, und ob das Deutschlernen auch Auswirkungen auf ihre Muttersprache hat, d. h. ob die georgischen Plosive (p t k b d g p’ t’ k’) von den Lautmustern im Deutschen beeinflusst werden. Die Relevanz der Ergebnisse: Die Untersuchung von ejektiv-klingenden Lauten im Deutschen und Englischen hat gezeigt, wie Ejektive in einer Sprache aus der Überlappung von schon vorhandenen Lauten neu entstehen und, wie im Englischen, graduell zu einem eigenständigen Teil des Lautinventars werden können. Der Erzeugungsmechanismus von ejektiv-klingenden Lauten im Deutschen und Englischen wirft auch ein kritisches Licht auf die bisherige Beschreibung von Ejektiven in Sprachen, wie dem Georgischen. Wir konnten zeigen, dass Ejektive im Georgischen häufig auch nicht mit einer Kehlkopfbewegung erzeugt werden, wie im Deutschen. Die Untersuchung von deutsch-lernenden georgischen Muttersprachler*innen hat nicht nur gezeigt, welche Einflüsse die Muttersprache auf den Erwerb einer Fremdsprache haben können, sondern auch wie Muster in der Fremdsprache einen Einfluss auf die eigene Muttersprache haben können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Detecting larynx movement in non-pulmonic consonants using dual-channel electroglottography. In Proc. XIXth ICPhS. Melbourne
    Simpson, Adrian P. & Erika Brandt
  • Measuring ejectives. In Proc. Phonetik und Phonologie 15. Düsseldorf
    Brandt, Erika, Adrian P. Simpson & Nato Sulaberidze
  • Where does the air pressure come from? The production of ejectives in German and Georgian. In Jürgen Trouvain & Bernd Möbius (eds.), Workshop Measurement of Speech Respiration and Speech Preparation Phases. Saarbrücken
    Simpson, Adrian P. & Erika Brandt
  • The production of ejectives in German and Georgian. Journal of Phonetics, 89, 101111.
    Brandt, Erika & Simpson, Adrian P.
  • Ejectives in English: elicitation und analysis. In Proc. Phonetik und Phonologie 18. Bielefeld
    Simpson, Adrian P. & Nato Sulaberidze
  • Werden deutsche epiphänomenale ejektive als ‘echte’ Ejektive wahrgenommen? In Proc. Phonetik und Phonologie 18. Bielefeld
    Sulaberidze, Nato
  • Ejectives in Georgian. A real-time MRI analysis of vertical larynx movement. In Proc. XXth ICPhS. Prague, 976–980
    Sulaberidze, Nato, Erika Brandt, Phil Hoole, Martin Krämer, Jürgen R. Reichenbach & Adrian P. Simpson
  • Intraoral pressure in Georgian ejectives. In Proc. Phonetik und Phonologie 19. Bern, 63–64
    Sulaberidze, Nato, Erika Brandt & Adrian P. Simpson
  • Production of L2 German stops by Georgian speakers. In Proc. Phonetics and Phonology in Europe 2023. Nijmegen
    Sulaberidze, Nato
  • Gender roles shaping phonetic patterns in Georgian and German. In Proc. Phonetik und Phonologie 20. Halle (Saale), 109–110
    Sulaberidze, Nato, Adrian P. Simpson & Melanie Weirich
  • Sex-specific patterns in intraoral pressure in the production of Georgian and German ejectives. In 13th International Seminar of Speech Production (ISSP). Autrans, 234–235
    Sulaberidze, Nato & Adrian P. Simpson
 
 

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