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Die Rolle des „Sensory Neuron Membrane Protein 1“ (SNMP1) bei der olfaktorischen Signaldetektion in Insekten

Fachliche Zuordnung Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Biologie des Verhaltens und der Sinne
Molekulare Biologie und Physiologie von Nerven- und Gliazellen
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415058109
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Studien an holometabolen Insekten, speziell Drosophila melanogaster und Mottenarten, belegen eine zentrale Rolle des “Sensory Neuron Membrane Protein 1” (SNMP1) bei der sensitiven Erkennung von Pheromonen durch spezialisierte olfaktorische sensorische Neurone (OSN) der Sensillen auf der Antenne. Dabei fungiert SNMP1 offenbar als Co-Rezeptor bestimmter Odorantrezeptoren. Seine Funktion in hemimetabolen Insekten sowie seine Relevanz für die Erfassung genereller Duftstoffe, die z. B. Futterquellen anzeigen, waren dagegen bislang unbekannt. Mittels einer CRISPR/Cas9-generierten SNMP1-Knockout-Linie der Wüstenheu-schrecke Schistocerca gregaria konnten wir nun erstmals in einem hemimetabolen Insekt die Bedeutung dieses Proteins für die korrekte Pheromonerfassung und das pheromongesteuerte Verhalten zeigen. So war in Abwesenheit von SNMP1 die Empfindlichkeit von OSNs der Antennen für das aromatische „Courtship Inhibition Pheromon“ Phenylacetonitril (PAN) signifikant reduziert und als Folge die Aktivität von Projektionsneuronen im antennalen Lobus des Gehirns verringert. Zudem fanden wir eine klare Beeinträchtigung des PAN-gesteuerten „Courtship“-Verhaltens. Weitere Studien zeigten, dass SNMP1 für die sensitive Erfassung weiterer Pheromone und von Pflanzenduftstoffen aromatischer Natur wichtig ist, was auf eine funktionelle Spezialisierung des S. gregaria SNMP1 und auf eine entscheidende Rolle auch in der Detektion genereller Duftstoffe hinweist. Anders als vor Projektstart bekannt, deckten immunhistochemische Studien mit Subtypspezifischen Antikörpern auf, dass SNMP1 in S. gregaria nicht nur in den Dendriten bestimmter OSNs lokalisiert ist, sondern auch in der Mikrovillimembran von „Support cells“ (SCs); im Vergleich dazu war der SNMP2-Subtyp nur in den Mikrovilli von SCs nachzuweisen. Da SCs die Homöostase der Sensillenlymphe (SL) kontrollieren, welche die Dendriten der OSNs umgibt, und SNMPs der CD36 Rezeptor/Transporter-Familie angehören, wurde für in SCs exprimierte SNMP-Typen eine Rolle bei der physiologisch wichtigen „Clearance“ der SL von Produkten der Duftstoffinaktivierung postuliert. Zur Prüfung dieser Hypothese wurde das SNMP2 der Lepidopteren Heliothis virescens und Bombyx mori untersucht, bei denen Pheromonkompo-nenten zu korrespondierenden Fettsäuren umgewandelt werden. Unter Verwendung eines fluoreszierenden Fettsäure-Analogons (FFA) konnten wir in Zellkulturstudien erstmals einen SNMP2-vermittelten Zellimport zeigen. Studien an Antennen ergaben zudem, dass SNMP2-exprimierende SCs das FFA aus der SL aufnehmen. Zusammenfassend sprechen unsere Befunde an S. gregaria für eine duale Funktion von SNMP1 in bestimmten Insekten. Dabei ist SNMP1 in OSNs von fundamentaler Bedeutung für die sensitive Detektion bestimmter Pheromone und genereller Duftstoffe. Außerdem hat es eine Funktion in SCs und könnte, wie erstmals für einen SNMP2-Subtyp von Insekten gezeigt, von zentraler Bedeutung für die wichtige „Clearance“ der Sensillenlymphe sein.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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