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Prognose des Sprachverstehens nach Cochlea-Implantation: Einfluss von kortikaler Plastizität und kognitiven Fähigkeiten

Fachliche Zuordnung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Audiologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415896102
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Bei Patienten mit einem Cochlea-Implantat (CI) ist eine große Variabilität hinsichtlich des Sprachverstehens zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass diese Variabilität mit kortikaler Reorganisation, d.h. Veränderungen der kortikalen Aktivierung, zusammenhängt. Deshalb war ein zentrales Ziel dieses Forschungsprojekts, mit Hilfe von Elektroenzephalographie (EEG) aufzuzeigen, welche kortikalen Veränderungen vor und nach der Implantation stattfinden und wie kortikale Reorganisation und Sprachverstehen mit CI miteinander verhängt sind. Ein weiteres Ziel dieses Forschungsprojekts war es zu untersuchen, ob eine bessere Varianzaufklärung beim Sprachverstehen mit CI zu erreichen ist, wenn zusätzlich zu demographischen, audiologischen und Implantat-spezifischen Faktoren, die aus der Literatur bekannt sind, noch kognitive und elektrophysiologische Messparameter hinzugezogen werden. Zu diesen Zwecken führten wir eine prospektive Längsschnittstudie mit postlingual ertaubten schwerhörigen Patienten durch, die einmal vor und zweimal nach der Implantation (fünf Wochen bzw. sechs Monate CI-Erfahrung) getestet wurden. Eine Gruppe von Normalhörenden diente als Kontrollgruppe. Die Studienteilnehmer führten neben audiometrischen und standardisierten kognitiven Tests eine Erkennungsaufgabe mit zweisilbigen Wörtern (auditorisch, visuell, audio-visuell) sowie eine Kategorisierungsaufgabe mit Gesichtern durch. Dabei richteten sie ihre Aufmerksamkeit entweder auf die visuellen oder die auditorischen Signale. Die Auswertung der EEG-Daten beinhaltete die Analyse der evozierten Potenziale sowie topographische Analysen, Zeitfrequenz-Analysen, Quellenanalysen und Konnektivitätsanalysen. Die Ergebnisse zeigten bei den Patienten bereits vor der Implantation deprivations-bedingte Veränderungen der kortikalen Verarbeitung von statischen und artikulierenden Gesichtern, die interessanterweise nach sechs Monaten CI-Erfahrung weitgehend persistierten. Auch im Hinblick auf die auditorischen und audio-visuellen Reizbedingungen ergaben sich nach sechs Monaten deutliche Gruppenunterschiede, obwohl im Laufe der ersten Monate mit CI-Erfahrung eine Annäherung an das Aktivierungsmuster der Normalhörenden zu verzeichnen war. Neben einer visuell dominierten audio-visuellen Sprachverarbeitung war bei CI-Patienten eine positive Korrelation zwischen der (grundsätzlich reduzierten) visuellen kortikalen Antwort (P1-Amplitude) und dem auditorischen CI-Sprachverstehen festzustellen. Die Berechnung von statistischen Modellen und Kreuzvalidierungsverfahren ergab, dass eine bessere Varianzaufklärung des CI-Sprachverstehens möglich ist, wenn zusätzlich zu den bereits bekannten Faktoren („Alter bei der Implantation“, „Dauer des Hörverlusts“, „Hörschwelle“ und „Hörgeräte-Nutzung“) die Merkmale „Lippenlesefähigkeit“ und „verbale Lern- und Merkfähigkeit“ hinzugezogen werden. Insgesamt konnte die prospektive Längsschnittstudie erfolgreich durchgeführt werden. Das Forschungsprojekt lieferte klinisch relevante Erkenntnisse hinsichtlich der kortikalen Plastizität und deren Zusammenhang mit dem CI-Versorgungsergebnis. Diese Erkenntnisse wurden in mehreren wissenschaftlichen Artikeln veröffentlicht und bilden ein wichtiges Fundament auch für zukünftige Studien.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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