Detailseite
Projekt Druckansicht

Psychobiologische Mechanismen beeinträchtigter Belohnungsverarbeitung bei chronischem Schmerz

Fachliche Zuordnung Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 417307434
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Chronischer Schmerz ist ein großes Problem, das starkes individuelles Leiden und enorme sozioökonomische Kosten erzeugt. Trotz deutlicher Fortschritte der Schmerzforschung in den letzten Jahrzehnten ist die Schmerztherapie noch immer unzureichend. Jüngere Arbeiten betonen die wichtige Rolle von emotionalen und motivationalen Vorgängen bei Schmerz. Bei chronischem Schmerz wurde beschrieben, dass es zu einer negativen hedonischen Verschiebung kommt, die zu einer verstärkten Schmerzwahrnehmung und aber auch einer beeinträchtigten Verarbeitung von Belohnung führt. Ob eine solche beeinträchtigte Belohnungsverarbeitung bei chronischem Schmerz jedoch wirklich vorliegt, ist aufgrund der vorhandenen Literatur nicht zu beantworten. Ziel dieses Projekts war es daher, Veränderungen in der Belohnungsverarbeitung und deren neuralen Korrelate in Patient:innen mit chronischen Schmerzen zu beschreiben. Dazu wurden 30 Patient:innen mit chronischem Rückenschmerz und 30 gesunde Kontrollproband:innen mit psychophysikalischen Experimenten und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht. Alle Versuchspersonen führten dabei mehrere Aufgaben mit unterschiedlichen Belohnungsreizen (Geld, soziale Reize, Essen, Schmerzvermeidung), zur unterschiedlichen Belohnungskomponenten (Belohnungsmotivation, hedonisches Erleben) und verschiedenen Aufgaben (Reaktionszeittest, Entscheidungsverhalten) durch. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Schmerzpatient:innen Beeinträchtigungen der Belohnungsverarbeitung von der Art der Belohnung, den Belohnungskomponenten und dem benötigtem Verhalten abhängt. So zeigen die Ergebnisse, dass Schmerzpatienten in Maßen, welche die Motivation Belohnung zu erhalten widerspiegeln, gegenüber Gesunden nicht beeinträchtigt sind, während negative Ergebnisse (z.B. Nichterhalt von Belohnung, Schmerz) von Patient:innen als unangenehmer beurteilt werden als von gesunden Kontrollproband:innen. Weiter lehnen Schmerzpatient:innen im Vergleich zu Gesunden monetäre Belohnung häufiger ab, wenn diese an den Erhalt eines schmerzhaften Reizes gekoppelt ist. Dieses Entscheidungsverhalten scheint auf einer erhöhten Verlustaversion bei Patient:innen gegenüber Gesunden zu basieren. Letzteres zeigt sich auch in den neuralen Korrelaten, wobei hier bei Patient:innen eine stärkere Abschwächung der Aktivierung im medial präfrontalen Kortex während dem Entscheidungsverhalten durch die Verlustaversion zu beobachten war gegenüber gesunden Kontrollen, vermutlich da die Verlustaversion den wahrgenommenen Wert des kombinierten Belohnungs- und Schmerzergebnisses in Patienten stärker beeinflusst. Die erhaltenen Ergebnisse verdeutlichen, dass die Belohnungsverarbeitung bei chronischem Schmerz beeinträchtigt ist, aber insgesamt ein komplexes und uneinheitliches Bild dieser Beeinträchtigungen vorliegt. Die genaue Beschreibung solcher funktionalen und dysfunktionalen Prozesse ist langfristig für die Optimierung mechanismenbasierter Therapieansätze entscheidend.

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung