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Enthüllte Architektur : Jüdische Sakral- und Profanbauten in Ostpreußen

Antragstellerin Dr.-Ing. Kamila Lenartowicz
Fachliche Zuordnung Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 417449092
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Präsenz der jüdischen Bevölkerung in Ostpreußen zeichnete sich in der Öffentlichkeit vor allem durch die im Zusammenhang mit dem jüdischen Ritus entstandenen Bauten aus: Synagogen, rituellen Badehäuser und Friedhofsbauten. Diese Bauten waren Teil des städtischen und kleinstädtischen öffentlichen Raumes in Ostpreußen und bildeten daher den am stärksten wirksame Teil der Präsenz. Abgesehen von den nach 1920 vom Ostpreußen abgetrennten Gebieten von Memel und dem Regierungsbezirk Westpreußen sind in den übrigen 32 Landkreisen 58 “Synagogen“ überliefert. Der Begriff „Synagogen“ beinhaltet in dem Fall auch Betstuben in Privaträumen. Von den ikonographisch überlieferten Gebäuden, sind 28 als Synagogenbauten – das heißt als Bauten, die ausschließlich als Synagogen entworfen und errichtet wurden – zu nennen. Diese unterschieden sich wesentlich in ihrer Baugestaltung. Einige der Synagogen, wie zum Beispiel in Insterburg (1865 im maurischen Stil, nicht erhalten) wurden in einem für die Umgebung fremden Stil gebaut und der Aufmerksamkeit der Passanten ausgesetzt. Die Mehrheit jedoch fügte sich mit Backsteinfassaden mit zurückgezogenen Details (die Zehn-Gebote-Tafel wiederholt sich als ein symbolisches Kennzeichen) in die Architektur der Seitenstraßen ein, wo sie in den meisten Fällen ihren Platz fanden. Mancherorts, wie in Neidenburg (1884, nicht erhalten), waren die Gebäude als Synagogen nicht erkennbar. Die Badehäuser (Mikwaot) und Friedhofsgebäude blieben, soweit es das ikonographische Material feststellen ließ, in ihrer architektonischen Gestaltung im heimischen Still ausgeführt. Die durchführte Synagogenbauforschung leistet einen Beitrag zu drei Forschungsbereichen: Erstens und ganz offensichtlich trägt sie zur Geschichtsschreibung Ostpreußens bei, indem sie nicht nur die Geschichte des örtlichen Baubestands, sondern auch die der Juden als Bewohner dieser Provinz ergänzt. Zweitens ergänzt sie aufgrund der überwiegend ruralen Topographie der Provinz die Baugeschichte von Landsynagogen als eine eigene Baugattung. Dieser Typus wird nur selten analytisch behandelt, meist wegen der geringen Größe der Gebäude und ihrer zweitrangigen künstlerischen Ausführung. Drittens, und dieser Punkt scheint den Rahmen für weitere Forschungen abzustecken, vermittelt das Projekt, das aus einer Reihe von Mikrostudien zu einzelnen Gebäuden und den jeweiligen jüdischen Gemeinden in Ostpreußen entstand, nicht nur Wissen über die Bauten selbst, sondern vor allem über den Prozess ihrer Entstehung, auch im administrativen Sinne. Im Rahmen des Projekts war es möglich, die Freiheitsbestimmungen des Emanzipationsedikts von 1812 und des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden von 1847 kritisch zu überprüfen, indem der Verwaltungsweg im Zusammenhang mit der Errichtung von jüdischen Ritualgebäuden in der preußischen Provinz und somit die Einstellung und Verhalten der preußischen Behörden gegenüber Juden als Bauherren analysierten wurden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Jüdische Architektur in Ostpreußen/Jewish Architecture in East Prussia. Informationen der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa. Nr. 23 (2019)
    Lenartowicz, Kamila
  • Nothing Out of the Ordinary: The Life of Salomon Marcus. The Leo Baeck Institute Year Book, 67(1), 3-19.
    Lenartowicz, Kamila
  • Synagogenarchitektur in Ostpreußen. Koldewey- Gesellschaft, 52. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung vom 25. bis 29. Mai 2022 in Straßburg.
    Lenartowicz, Kamila & Przystawik, Mirko
  • Jewish Built Heritage in the Former East Prussia. Tagung “Jewish or Common Heritage? (Dis-)appropriation of Synagogue Architecture in East-Central Europe since 1945” vom 12. bis 14. September 2023 in Warschau
    Lenartowicz, Kamila
  • Former Synagogue in Barczewo as an Example of the Challenges of Rural Synagogues, in: Henschel, Christhardt; Leiserowitz Ruth; Lenartowicz Kamila, Menter, Neele, Światowy, Zuzanna (Hg.):Jewish or Common Heritage? (Dis-)appropriation of Synagogue Architecture in East-Central Europe since 1945, Schriftenreihe des Deutschen Historischen Instituts in Warschau, Warschau, 2024.
    Lenartowicz, Kamila:
  • Jewish or Common Heritage? (Dis-)appropriation of Synagogue Architecture in East-Central Europe since 1945, Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau, Warschau, 2024
    Henschel, Christhardt; Leiserowitz Ruth; Lenartowicz Kamila, Menter, Neele & Światowy, Zuzanna
  • Ostpreußische Synagogenbauforschung. Nachwirkung und Befunde, in: Koldewey Gesellschaft (Hg.), Bericht der Tagungen für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung, Bd.52, Dresden 2024, S. 183-189
    Lenartowicz, Kamila & Przystawik, Mirko
  • Rekonstruieren für die Zukunft? Digitale 3D- Rekonstruktionen von Synagogen als Beispiel für einen zukunftsweisenden Umgang mit gebautem jüdischen Kulturerbe in Ostmitteleuropa, in: Copernico. Onlineportal Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa
    Lutteroth, Jan & Lenartowicz, Kamila
 
 

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