Ruhr Coal in Nazi Germany
Final Report Abstract
Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt konnte eine Forschungslücke hinsichtlich der Unternehmens- und Kartellgeschichte im Steinkohlenbergbau zur Zeit des Nationalsozialismus schließen. Im Zentrum des Projektes stand das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat (RWKS). Darin waren seit 1893 beinahe alle Steinkohlenzechen des Ruhrbergbaus zusammengeschlossen. Das RWKS galt als Synonym und Musterbeispiel für ein marktbeherrschendes und schlagkräftiges Kartell. Auch wenn das Syndikat zur Beseitigung des „ungesunden Wettbewerbs“ von den Ruhrkohlenzechen gegründet worden war, konnte das Projekt zeigen, dass die Konkurrenz unter den Zechengesellschaften keineswegs ausgeschaltet wurde. Dies widerspricht den Theorien der klassischen Kartellforschung. Mit dem transaktionskostentheoretischen Ansatz erscheinen Kartelle nicht als ein Mittel zur Durchsetzung vollkommener Marktmacht, sondern vielmehr als ein Mittel zur Senkung von Transaktionskosten für die Mitglieder. Da die Kohlewirtschaft seit 1915 einer zunehmenden staatlichen Regulierung unterworfen war und das Syndikat seine Funktionen hinsichtlich der Festlegung von Fördermengen und Preisen weitgehend eingebüßt hatte, drehten sich in den folgenden Jahren die inneren und äußeren Konflikte um den Absatz und die Absatzorganisation des Syndikats. Deren Funktionalität war aus der Sicht der Syndikatsleitung eine Überlebensfrage. Deshalb versuchte sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten durch eine „Bereinigung“ des Kohlenmarktes zu einer strafferen Verkaufsorganisation zurückzukehren. Das Ziel war die Etablierung eines nationalen Kohlenkartells. Tatsächlich konnte das Syndikat das Reichswirtschaftsministerium 1933 zunächst davon überzeugen, dass eine Bereinigung der Verhältnisse geboten war. Mit der steigenden Nachfrage nach Kohle kippte die Stimmung allerdings zu Ungunsten des Syndikats. Insofern wurde zwar das große Ziel verfehlt, aber in kleinerem Rahmen (Aachener Kohle und Saarkohle) konnten durchaus Fortschritte in diese Richtung erzielt werden. Aber auch im Inneren des Ruhrkohlensyndikats sorgten Konkurrenz und Opportunismus dafür, dass es vor allem auf dem süddeutschen Absatzmarkt zu (aus Syndikatssicht) chaotischen Verhältnissen kam. Die Absatzorganisation des RWKS geriet sowohl intern als auch extern zunehmend in die Kritik. Die unternehmensgeschichtliche Perspektive auf das Syndikat zeigt, dass es – auch wenn es nach außen geschlossen auftrat – einem stetigen Aushandlungsprozess sowie internen und externen Konkurrenzverhältnissen ausgesetzt war. Im Nationalsozialismus wurde die Funktionsweise und Berechtigung der syndikatlichen Absatzorganisation in Frage gestellt. Von den eigenen Mitgliedern, die dem Syndikat entgegengesetzte Handelsinteressen verfolgten, vom Kohlenhandel und seinen Institutionen bzw. Verbänden, die dem Syndikat vorwarfen, es nutze seine Macht dazu, den „freien“ Handel gänzlich auszuschalten und der NS-Politik, darunter vor allem den Mittelstandsideologen der Partei, hagelte es Kritik. Sie prangerten die Macht des Syndikats an und unternahmen Angriffe vor allem auf dessen Absatzorganisation. Dennoch schaffte es das Syndikat, seine Funktionalität zu bewahren und weitgehend gegen staatliche Eingriffe zu verteidigen. Unter dem Eindruck des „Totalen Krieges“ traten die Kämpfe um die Absatzorganisation des RWKS in den Hintergrund und eine Regelung wurde auf die Nachkriegszeit vertagt.
