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Deutschsprachig-jüdische Literatur vom Zeitalter der Aufklärung bis zur Gegenwart - Neue Forschungszugänge in Paradigmen

Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 419254539
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ziel des Projektes war es, die traditionelle, von polaren Oppositionen, der Konstruktion von Ordnungskategorien sowie expliziten wie impliziten Kanonisierungen geprägte Darstellung deutschsprachig-jüdischer Literatur und Kultur abzulösen durch Perspektiven, die ihrer Vielfalt und ihren Widersprüchlichkeiten, ihren Brüchen und Mischungen, ihren Vernetzungen und Bewegungen gerecht zu werden versuchen. Zu diesem Zweck wurden im Anschluss an die aktuelle Forschung sechs Forschungsparadigmen identifiziert und insgesamt rund 100 Wissenschaftler:innen aus den Disziplinen der Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaften, Übersetzungs- und Religionswissenschaft, Philosophie und Soziologie aus zahlreichen Ländern dazu gewonnen, ihre Expertise in eine nach diesen Paradigmen organisierte Darstellung deutschsprachigjüdischer Literatur in Form von sechs Handbüchern einzubringen. Nach Ablauf der Förderzeit sind die sechs geplanten Handbücher im Manuskript weitgehend abgeschlossen. Die erstellten Handbücher demonstrieren eindrücklich, in welchem Maß sowohl die grundsätzliche Entscheidung zur Einsetzung von Paradigmen als Instrument der Darstellung als auch die konkret gewählten Paradigmen geeignet sind, den von Dan Diner an Kultur und Geschichte der Jüdinnen und Juden beobachteten „dynamische[n] Elemente[n] der Entgrenzung, Überschreitung und Verflüssigung von Emblemen der Zugehörigkeit“ (Diner 2011, XIII) gerecht zu werden. Die am Standort Aachen moderierte und in den entsprechenden Handbüchern entwickelte Auffaltung der Paradigmen „Sprachkulturen“ und „Wissen und Lernen“ vertieft und präzisiert die Einsichten in die komplexen Austauschverhältnisse, in denen Juden und Jüdinnen in Europa im Untersuchungszeitraum standen, und legt an vielen Beispielen offen, in wie hohem Maß die Geschichte ihrer Literatur von einer in steter Bewegung befindlichen Konstellation aus Wechselbeziehung und Selbstbehauptung geprägt war und ist. Die breite Zugänglichkeit der Forschungsergebnisse in Form von Handbüchern im Verlag Metzler/ Springer sowohl in Druckform wie als Open Access ermöglicht eine Vielfalt unmittelbarer Anknüpfungen für die Forschung zu deutschsprachig-jüdischer Literatur; darüber hinaus ist die Darstellung in Paradigmen lesbar als ein Modell für die Darstellung auch anderer Wissensgebiete. Nicht zuletzt darf an den Transfer eines breiten Panoramas an Wissen über deutschsprachig-jüdische Literatur in die Gesellschaft, wie ihn Handbücher über ihren Gebrauch im Wissenschaftsbetrieb hinaus ermöglichen, die Hoffnung geknüpft werden, einen Beitrag zur Bekämpfung gerade jüngst zugenommener antisemitischer Tendenzen zu leisten. Eine fühlbare Beeinträchtigung vor allem im Prozessablauf erfuhr das Projekt in seinem Förderzeitraum durch die COVID-Pandemie; die mit ihr einhergehenden Lockdowns, Schließung von Bibliotheken, aber auch Erkrankungen von Mitarbeiter:innen und Beiträger:innen haben zu teils deutlichen Verzögerungen geführt. Davon abgesehen, haben jedoch die hohe Professionalität und das enorme Engagement der beteiligten Kolleg:innen in Europa, Israel und den USA sichergestellt, dass das ehrgeizige Ziel, in diskursiv geprägter Kooperation eine neue Darstellung der Geschichte deutschsprachig-jüdischer Literatur zu erarbeiten und bereitzustellen, gelingen konnte.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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