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Objektive Messung der Sprachverständlichkeit im Störgeräusch

Fachliche Zuordnung Akustik
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 419293003
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das am häufigsten genannte Problem von Schwerhörigen ist das eingeschränkte Sprachverstehen in Situationen mit Nebengeräuschen. Das Sprachverstehen erfordert die Hörbarkeit und die korrekte Verarbeitung im auditorischen System bis hin zur kortikalen Mustererkennung. Zur Quantifizierung der Sprachverständlichkeit wurden in den vergangen Jahren Sprachtests entwickelt, mit denen eine präzise Messung der Sprachverständlichkeit im Störgeräusch möglich ist. Ein Nachteil aller sprachaudiometrischen Verfahren ist jedoch, dass sie ein hohes Maß an Mitarbeit der Versuchspersonen erfordern und somit nicht objektiv sind. Fernziel des beantragten Projektes war es, durch die Messung von Hirnströmen (Elektroenzephalographie, EEG) in bestimmten akustischen Szenarien Aussagen über die individuelle Sprachverständlichkeit abzuleiten. In dem Projekt wurden hierzu an hörgesunden Erwachsenen Sprachverständlichkeitsmessungen durchgeführt und parallel dazu EEG-Multikanalableitungen durchgeführt. Hierzu wurden Sätze aus dem Oldenburger Satztest in Ruhe und in unterschiedlichen Störgeräuschen dargeboten. Mit modernen Signalverarbeitungsverfahren wurde aus den EEG-Messungen ein Maß für die Sprachverständlichkeit abgeleitet. Um die interindividuellen Unterschiede der Sprachverständlichkeit zu berücksichtigen, wurden die individuellen Sprachverständlichkeitsschwellen (SRT50) bestimmt. Die Signal- Rausch-Abstände (signal-to-noise ratio, SNR) bei den EEG-Messungen wurden auf diese individuelle SRT50 bezogen. Dadurch wurde sichergestellt, dass vergleichbare Verständlichkeitsraten vorlagen. Für die Analyse wurde zunächst ein linearer Ansatz untersucht, bei dem eine zeitliche Übertragungsfunktion (temporal response function, TRF) bestimmt wurde, die aus der Einhüllenden des Sprachsignals eine Schätzung des Multikanal-EEGs erlaubt. Es wurden systematische Änderungen der TRF in Abhängigkeit vom individuellen SNR dargestellt. Anschließend wurde ein Verfahren entwickelt, dass eine Zuordnung der EEG-Messungen zu den Verständlichkeiten ermöglicht. Es konnte damit eine Vorhersage der Verständlichkeit auf bis zu 2 dB erreicht werden. Zusammenfassend erlauben die entwickelten Methoden eine grobe Vorhersage der Sprachverständlichkeit aus EEG-Messungen. Eine Einteilung in „unverständlich“, „mit Mühe zu verstehen“ und „gut zu verstehen“ wäre damit möglich. Dadurch werden die subjektiven Messungen objektiviert. Für eine präzise Bestimmung der Sprachverständlichkeitsschwellen sind die interindividuellen Schwankungen des EEG selbst bei jungen gesunden Normalhörigen durch den Einfluss der Aufmerksamkeit auf das EEG jedoch zu groß.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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