Fragebogen zur Erfassung von Partizipation und sozialer Inklusion chronisch psychisch erkrankter Menschen (F-INK). Untersuchungen zur Validität und Reliabilität
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die Förderung von sozialer Partizipation und Inklusion gilt als ein wesentliches Ziel in der Behandlung von Menschen mit einer anhaltenden, schweren psychischen Erkrankung. Für die notwendigen Wirksamkeitsuntersuchungen bedarf es reliabler und valider Erhebungsverfahren. Über die Definition von sozialer Partizipation und Inklusion besteht allerdings kein Konsens, so dass die beiden Parameter in den vor allem aus dem englischen Sprachraum vorgelegten Erhebungsverfahren ganz unterschiedlich definiert werden. Mit dem „Fragebogen zur Erfassung von Partizipation und sozialer Inklusion chronisch psychisch erkrankter Menschen (F-INK)“ liegt ein modular aufgebauter deutschsprachiger Fragebogen vor, der die zentralen Dimensionen sozialer Partizipation und Inklusion auf der Basis einer explizit ausformulierten theoretischen Konzeption zu erfassen erlaubt. Die im Rahmen erster Auswertungen ermittelten Angaben zur Reliabilität und Validität des F-INK waren vielversprechend. Ziel einer DFG-geförderten Studie war es, den F-INK im Rahmen einer Verlaufserhebung umfassenderen teststatistischen Überprüfungen zu unterziehen. Im Rahmen der geplanten Studiendurchführung konnten N = 258 Studienteilnehmer/-innen rekrutiert werden: n1 = 61 Personen, die aufgrund einer chronischen psychischen Erkrankung in einer betreuten Wohnform lebten (Gr. 1); n2 = 93 Personen, die zum Zeitpunkt der Basiserhebung t1 akut psychisch erkrankt waren (Gr. 2); n3 = 104 Personen aus der Allgemeinbevölkerung, die zum Zeitpunkt der Basiserhebung t1 nicht psychisch erkrankt waren (Gr. 3). Folgeerhebungen fanden innerhalb von drei bis sieben Tagen nach der Basiserhebung (t2) sowie nach sechs Monaten (t3) und nach zwölf Monaten (t4) statt, wobei die Rücklaufquoten bei 98,5 %, 75,6 % bzw. 70,2 % lagen. Die Rekrutierung von Studienteilnehmer/-innen und die Durchführung geplanter Folgeerhebungen wurden durch das Auftreten der Corona-Pandemie negativ beeinflusst; gleichzeitig bot die Corona-Pandemie allerdings die Gelegenheit zu einem quasi-experimentellen Studiendesign, da zu erwarten war, dass die Studiengruppen von den ausgesprochenen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen in ihren Teilhabemöglichkeiten unterschiedlich betroffen sein sollten. Vor diesem Hintergrund fanden Zusatzerhebungen statt, in denen diejenigen Studienteilnehmer/-innen, deren Basiserhebung t1 vor der Corona-Pandemie stattfand, zu drei zusätzlichen Zeitpunkten befragt wurden: im April 2020 nach vierwöchigem strikten Lockdown; im Juli 2020 nach weitgehender Aufhebung der strikten Maßnahmen; im November 2020 nach Einführung weniger einschränkender Maßnahmen. Ziel war es, die konkreten Auswirkungen der jeweils bestehenden Einschränkungen im Zeitverlauf sowie zwischen den Gruppen vergleichend zu betrachten und damit über die ursprünglich geplanten Auswertungen hinaus Aussagen zur Validität zu treffen. Die bisher zur Reliabilität (z.B. zur internen Konsistenz; zur Test-Retest-Reliabilität) bzw. zur Validität (z.B. Validitätsnachweis auf Basis der internen Struktur bzw. auf Basis der Beziehungen zu anderen Variablen) vorgelegten Auswertungen sprechen dafür, dass der F-INK die entsprechend der Modellkonzeptualisierung definierten Parameter der sozialen Partizipation und der sozialen Inklusion mit hoher Validität und mit für Gruppenuntersuchungen sehr gut geeigneter Reliabilität zu erfassen erlaubt. Mit dem F-INK liegt damit ein umfassend evaluiertes deutschsprachiges Verfahren zur Erfassung von sozialer Partizipation und sozialer Inklusion vor, das die bisher vor allem aus dem englischsprachigen Raum vorgelegten Erhebungsverfahren sinnvoll ergänzt und zum Beispiel in Studien zur Untersuchung der Effektivität von Interventionen, die auf die Förderung von sozialer Partizipation und sozialer Inklusion abzielen, eingesetzt werden kann. Der F-INK stellt zudem ein ökonomisches Verfahren dar, da er modular aufgebaut ist und auf die Erhebung einzelner Modellvariablen verzichtet werden kann.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Teilhabemöglichkeit, Partizipation, Inklusion und psychisches Befinden im Zusammenhang mit Ausgangsbeschränkungen aufgrund SARS-CoV-2. Psychiatrische Praxis, 47(06), 308-318.
Schützwohl, Matthias & Mergel, Eduard
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A longitudinal study on the COVID-19 pandemic and its divergent effects on social participation and mental health across different study groups with and without mental disorders. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 56(8), 1459-1468.
Mergel, Eduard & Schützwohl, Matthias
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COVID-19 und psychisches Befinden im zweiten Lockdown – Fortsetzung einer Verlaufsuntersuchung. Psychiatrische Praxis, 48(05), 265-268.
Mergel, Eduard & Schützwohl, Matthias
