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Die globale Produktion und ihre Aufpasser: Firmen und NGOs im regulatorischen Vakuum

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 421074032
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Während die Regulierung der Produktion, z.B. in den Bereichen Umwelt und Arbeit, überwiegend nationalstaatlich geregelt wird, haben sich Wertschöpfungs- und Lieferketten in den vergangenen drei Jahrzehnten in einem nie dagewesenen Ausmaß internationalisiert. Dies erlaubt es Firmen, durch die Wahl ihrer Produktionsstandorte von massiven Unterschieden in Regulierung und ihrer Durchsetzung zu profitieren: dem „regulatorischen Vakuum“. Dies hat einen neuen, nicht-staatlichen wirtschaftspolitischen Akteur auf den Plan gerufen, der bisher in der ökonomischen Forschung zur Außenwirtschaft kaum Beachtung gefunden hat: advocacy (oder: watchdog) NGOs wie z.B. Greenpeace, Rainforest Action Network, Amnesty International etc. Wir stellen diesen wenig erforschten wirtschaftspolitischen Akteur und seine Interaktion mit international aktiven Firmen ins Zentrum unserer Analyse. Die zwei zentralen Forschungsfragen, an denen sich auch die Struktur des Projektes orientiert, sind die folgenden: 1. Wie organisieren Firmen die internationale Produktion, wenn sie einerseits durch Flucht vor Regulierung Kosten sparen können, dies jedoch andererseits die Gefahr von NGO- Kampagnen und Boykotten birgt? Unsere Analyse basiert auf der etablierten Literatur zur internationalen Organisation der Produktion. Einerseits zeigen wir empirisch (und analysieren anhand eines theoretischen Modells), dass in Sektoren, die besonders von „schmutziger“ Produktion im Ausland profitieren können, überproportional mit unabhängigen Zulieferern kooperiert wird: die „schmutzige Arbeit der Globalisierung“ findet entlang der Lieferkennten nicht innerhalb der Firmen statt. Zum anderen analysieren wir die steigende Nachfrage nach Corporate Social Responsibility (CSR) Investitionen in ebensolchen Lieferketten. Wir analysieren ein Modell mit unabhängigen Zulieferern in einem sequentiellen internationalen Produktionsprozess mit unvollständigen Verträgen. Wir nutzen indische Firmendaten und bestätigen die Vorhersage unseres Modells: insbesondere in den frühen Abschnitten der Lieferketten sind die CSR Niveaus zu gering. 2. Wie beeinflussten die Export- und globalen Sourcing-Entscheidungen internationaler Firmen die geographischen Muster internationaler NGO-Kampagnen? Wir entwerfen und analysieren ein Modell mit expliziten internationalen Handels- und Sourcing-Entscheidungen durch heterogene Firmen sowie Kampagnen gegen diese durch heterogene NGOs. Wir zeigen, dass das geografische Muster der NGO-Kampagnen durch eine triadische Gravitätsgleichung bestimmt wird. Wir nutzen den aktuell besten verfügbaren Datensatz zu internationalen NGO-Kampagnen, um die triadische Gravitätsgleichung zu schätzen und finden eine starke Evidenz für die Vorhersagen des Modells. Unsere Resultate deuten darauf hin, dass NGO-Aktivitäten tendenziell lokal entstehen und die Kampagnen dann durch die internationale Verflechtung der kritisierten Firmen internationalisiert werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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