Midijobs verstehen - Fortsetzungsantrag
Statistik und Ökonometrie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Der Anteil der deutschen Erwerbstätigen, die von Lohnsubventionen für kleine Beschäftigungsverhältnisse profitieren, ist hoch und steigt: Während 2017 circa 20 % der Erwerbstätigen in Mini- und Midijobs beschäftigt waren, waren es Ende 2023 bereits 12.8 Mio. Personen oder 28 % der Erwerbstätigen. Minijobs sind Beschäftigungsverhältnisse mit einer monatlichen Verdienstobergrenze (2025: 556 Euro). Die Beschäftigten sind von Steuern und Abgaben freigestellt. Midijobs sind Beschäftigungsverhältnisse mit Monatsverdiensten zwischen der Minijobverdienstgrenze und (derzeit) 2.000 Euro. Midijobbeschäftigte profitieren von subventionierten Sozialversicherungsabgaben. Verdienste ab der Minijobverdienstgrenze unterliegen der Einkommenssteuer, Verdienste oberhalb der Midijobverdienstgrenze sind voll sozialversicherungspflichtig. Trotz ihrer Verbreitung gibt es nahezu keine Studien zu Midijobs. Das Thema ist politikrelevant, da die Bundesregierung die Midijob-Förderung immer weiter ausgedehnt hat. Gleichzeitig fehlte bislang Evidenz zur Wirksamkeit der Midijob-Subventionen. Die internationale Literatur setzt sich intensiv mit Lohnsubventionen auseinander. Der deutsche Fall ist interessant, da die Subventionen universal gelten und nicht nur bestimmte Personen, Betriebe, Branchen oder Regionen betreffen. Die Reformen der vergangenen Jahre erlauben es, kausale Effekte zu identifizieren. Teilprojekt 1 beschreibt die Nutzung von Midijobs, insbesondere den Zugang zu und den Austritt aus Midijobs. Wir betrachten, aus welcher Situation Personen in Midijobs eintreten und analysieren die Verweildauer und das Austrittsverhalten. Die Studie wurde von den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik (Journal of Economics and Statistics) publiziert. Teilprojekt 2 untersucht, ob die Midijobs ihren Zweck erreicht haben: Midijobs gehen zurück auf einen Fehlanreiz, der sich aus Minijobs ergibt. An der Verdienstgrenze von Minijobs besteht durch den Einschnitt in der Nettolohnverteilung eine "Teilzeitmauer" oder "Minijobfalle". Da die Abgabenbelastung an der Verdienstgrenze so stark ansteigt, ist für Minijobbeschäftigte die weitere Erhöhung ihrer Bruttoverdienste über die Minijobverdienstgrenze hinaus unattraktiv. Midijobs wurden eingeführt, um diese Barriere zu mildern. Im Teilprojekt 2 wenden wir kausale Analyseverfahren (Differenz-in-Differenzen und Regression Discontinuity in Time) an, um zu bestimmen, ob die Einführung von Midijobs die Wahrscheinlichkeit von Verdienstanstiegen über die Minijobgrenze hinaus beeinflussen. Es zeigt sich, dass Midijobs für die Mehrheit der Minijobber keinen Beitrag zum Anstieg der Übergangswahrscheinlichkeiten aus Minijobs in höhere Verdienste und damit in reguläre Beschäftigung leisten. Die Studie wird von der Zeitschrift International Tax and Public Finance publiziert. Teilprojekt 3 schließt die Midijobreformen der Jahre 2013 und 2019 in die Betrachtung ein. Die Reformen weiteten die monatlichen Verdienstgrenzen für Midijobs von ursprünglich 400- 800 Euro auf zunächst 450-850 Euro (seit 2013) und dann auf 450-1.300 Euro (ab 2019) aus. Wir überprüfen die Verteilung von Beschäftigungsverhältnissen über die Bruttoeinkommen und deren Anpassung über die Zeit. Es zeigt sich, dass sich die in den Midijobreformen enthaltenen Änderungen der Anreize, bestimmte Bruttoeinkommen zu verdienen, nicht schnell auf die Verteilung der Beschäftigungsverhältnisse niederschlägt. Auch die Wahrscheinlichkeit, von einem Minijob in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu wechseln, scheint kaum auf Reformen zu reagieren. Midijobs leisten keinen messbaren Beitrag zur Abschaffung der Minijobfalle. Die Studie wurde vom Journal for Labour Market Research publiziert.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Employment effects of payroll tax subsidies. Small Business Economics, 57(3), 1201-1219.
Collischon, Matthias; Cygan-Rehm, Kamila & Riphahn, Regina T.
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Minijobs in Kleinbetrieben: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird verdrängt, IAB Forum 20.10.2021, pp.1-7
Collischon, Matthias, Kamila Cygan-Rehm & Regina T. Riphahn
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The Untold Story of Midijobs. Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 242(3), 309-341.
Herget, Anna & Riphahn, Regina T.
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Minijobs as stepping stones to regular employment: overall trends and the role of Midijob reforms. Journal for Labour Market Research, 58(1).
Collischon, Matthias; Herget, Anna & Riphahn, Regina T.
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Sollten Minijobs in Deutschland abgeschafft werden? Pro & Contra, Wirtschaftswoche 44/2024, 25.10.2024, S. 38
Riphahn, Regina T.
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Subventionen für „kleine Jobs“:. AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv, 18(1), 5-14.
Riphahn, Regina T.
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Long-Run Career Outcomes of Multiple Job Holding. ILR Review, 79(1), 114-141.
Muffert, Johanna & Riphahn, Regina T.
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Phasing out payroll tax subsidies. International Tax and Public Finance, 32(5), 1501-1531.
Herget, Anna & Riphahn, Regina T.
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Subsidized small jobs and maternal labor market outcomes in the long run. Socio-Economic Review, 23(3), 1193-1223.
Collischon, Matthias; Cygan-Rehm, Kamila & Riphahn, Regina T.
