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Medialisierte Kommunikation unter Druck: Kommandokulturen, epistemische Praktiken und verteilte Handlungsentscheidungen in der technisch vermittelten Kriegskommunikation

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 423505920
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Anschluss an das zuvor geförderte DFG-Projekt „Kommunikation unter Druck. Praktiken der Verständigung von Trainern und Athleten im Wettkampfsport“, in dem wir Prozesse der Kommunikation unter Bedingungen von Zeit- und Handlungsdruck am Beispiel körperlich-kopräsenter Interaktionsprozesse im Sport erforscht haben, nahm das hier berichtete Projekt nun kontrastiv Kommunikationsprozesse unter Zeit- und Handlungsdruck unter medialisierten Bedingungen in den Blick. Im Projekt „Kommunikation unter Druck. Praktiken der Verständigung von Trainern und Athleten im Wettkampfsport“ war herausgearbeitet worden, dass Kommunikation unter Druck unter den Bedingungen der Kopräsenz im Sport in hochgradig kondensierter Form und kontextsensitiver Weise multimodale semiotische Ressourcen sowie kanalstabilisierende sequenzielle Praktiken einsetzt, um Verständigung und Handlungskoordination zu erzielen. Ein Fokus unserer damaligen Forschung bestand dabei u.a. im Herausarbeiten der zuvor wenig berücksichtigten Bedeutungen und Modalitäten taktiler und haptischer Kommunikationsformen. Im hier berichteten Projekt zu entsprechenden Kommunikationsformen unter Einfluss von technischen Medien stellte sich nun heraus, dass sich die Druckbedingungen insbesondere in der leicht medialisierbaren Prosodie des Sprechens – insbesondere dem Rhythmus, der Lautstärke und der Tonhöhenvariation, bis hin zum Atmen – ausdrückt. Mit diesen Modalitäten werden bereits auf implizite, aber dennoch stabil intersubjektivitätsfähige Weise Einschätzungen der Handlungssituation (z.B. topographische Desorientiertheit oder Lebensgefahr durch feindlichen Beschuss) kommuniziert, die zur Koordination und schließlich gemeinsamer Absicherung von Handlungsentscheidungen beitragen und dabei – je nach Fall – epistemische Unsicherheit oder Sicherheit kommunizieren. Vokalität ersetzt hierbei Taktilität. Kommunikation unter Druck nutzt somit in beiden Fällen in besonderem Maße die materialen Modalitäten menschlicher Kommunikationsressourcen, die je nach den medialen Bedingungen variiert werden. Die medialen Bedingungen in den von uns aufgrund der Datenlage besonders berücksichtigten Kampfhubschraubern lassen dabei, je nach Handlungsrelevanz, zudem unterschiedliche Publika zu, die auch unterschiedliche Formen der modalen Kommunikation notwendig machen. Die im Hubschrauber befindliche Dyade nutzt stärker die genannten prosodischen Modi, um Handlungsrelevanzen, aber auch evtl. noch bestehende epistemische Unsicherheiten zu kommunizieren, während das Zuschalten weiterer Publika eine stärkere Verbalität und Kenntlichmachung epistemischer Sicherheit erforderlich macht. Das Projektziel, die Kommandokulturen unterschiedlicher Militärtraditionen einzubeziehen, konnte aufgrund der erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie leider nicht eingelöst werden, da wir allein Zugang zu so genannten „Befehls“-Armeen hatten (USA, UK) und uns der Zugang zu Daten aus „Auftrags“-Armeen (Deutschland) aufgrund der Corona-Bedingungen leider verwehrt blieb.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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