Eskalation von Verteilungskonflikten: Entstehung, Dynamik und Gruppeninteraktion
Wirtschaftstheorie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt untersucht Verhaltensmuster, die zu einer Eskalation oder Deeskalation von Verteilungskonflikten führen, d.h., einer Situation, in der mehrere Marktteilnehmer:innen nach etwas streben, das nur eine:r von ihnen haben kann. Ein Teilprojekt widmete sich der Rolle von Gruppeninteraktion wie etwa in Konflikten zwischen ethnischen Gruppen auf der Mikro-Ebene. Laborexperimente zeigen, dass Individuen Konflikte im Allgemeinen mit höherer Wahrscheinlichkeit auslösen, wenn sie als Teil einer Gruppe zu „kämpfen“ hätten, verglichen mit Situationen, in denen sie auf sich allein gestellt wären. Dies gilt selbst dann, wenn für Gruppen kein messbarer Vorteil im Konflikt besteht, aber auch nur dann, wenn Gruppenmitglieder ihren Einsatz im Konflikt gut koordinieren können. Darüber hinaus verhalten sich Gruppenmitglieder am aggressivsten gegenüber Einzelpersonen sowie in Situationen, in denen die Identifikation mit der eigenen Gruppe besonders stark ausgeprägt ist. Letztere wird durch einen gemeinsam bestrittenen Konflikt verstärkt, was eine Wechselwirkung zwischen Gruppenidentität und Konfliktneigung zur Folge hat. Angrenzende empirische Studien verdeutlichten die Bedeutung der Konfliktalternative. Mittels „lab-in-the-field“-Experimenten in Äthiopien zeigen wir, dass Minderheiten ineffiziente, aggressive Allokationsversuche starten und demokratische Institutionen ablehnen, für die sie erwarten, der Tyrannei der Mehrheit unterworfen zu sein. Die Stärkung von Minderheiten im Rahmen der demokratischen Institutionen vermindert dieses Problem substantiell. Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse dieses Teilprojekts Bedingungen auf, unter denen sich effiziente, friedliche Handlungsergebnisse erzielen lassen, selbst wenn historische Feindschaften zwischen den Konfliktparteien bestehen. Ebenso kann das Aufbrechen bestehender Gruppenstrukturen die individuelle Konfliktneigung verringern. Ein zweites Teilprojekt untersuchte die Dynamik von Konflikten. Mithilfe eines spieltheoretischen Modells und einer experimentellen Analyse zeigen wir, dass Individuen in Konflikte häufig mit Erwartungen über ihr Umfeld eintreten, die von ihren eigenen Präferenzen abgeleitet sind. Ein Anpassen dieser Erwartungen im Laufe des Konflikts führt zu einer Verhaltensänderung, die sowohl eine Eskalation als auch eine Deeskalation des Konflikts zur Folge haben kann. Neben dem Fokus auf Informationsasymmetrien untersuchte dieses Teilprojekt die Rolle der Sequentialität individueller Investitionen in Verteilungskonflikten. Beispielsweise zeigen wir, dass eine frühzeitige Selbstbindung hinsichtlich der aufwendbaren Ressourcen einen starken Abschreckungseffekt und damit strategischen Vorteil nach sich ziehen kann. Insgesamt entwickelte das Forschungsprojekt wichtige Einblicke in die Komplexität dynamischer Verteilungskonflikte, Gründe für deren Entstehung und die Effektivität verschiedener Institutionen und Maßnahmen zur Konfliktvermeidung.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Escalation in conflict games: on beliefs and selection. Experimental Economics, 23(3), 750-787.
Konrad, Kai A. & Morath, Florian
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Collective Action and Intra-group Conflict with Fixed Budgets. Defence and Peace Economics, 35(1), 1-23.
Konrad, Kai A. & Morath, Florian
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Do groups fight more? Experimental evidence on conflict initiation. University of Innsbruck Working Papers in Economics and Statistics No. 2023-16.
Ke, C., Morath, F. & Seelos, S.
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High minority power facilitates democratization across ethnic fault lines. University of Innsbruck Working Papers in Economics and Statistics No. 2023-18
Glowacki, L., Morath, F. & Rusch, H.
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How to preempt attacks in multi-front conflict with limited resources. European Journal of Operational Research, 305(1), 493-500.
Konrad, Kai A. & Morath, Florian
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On the onset of conflict and the preservation of peace. Dissertation, University of Innsbruck
Seelos, S.
