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Grenzen der Erschließung: Staatliche Strukturpolitik in zwei europäischen Bergregionen im Systemvergleich (1945-1989)

Antragsteller Dr. Martin Zückert
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung seit 2019
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 426559561
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ziel des Forschungsprojektes war es, zu analysieren, wie die landwirtschaftliche Transformation, Naturschutzbestrebungen und Erschließungskonzepte die Entwicklung der europäischen Berggebiete in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderten und sich dabei gegenseitig beeinflussten. Mit Bezug zur allgemeinen Entwicklung von Berggebieten in dieser Zeit wurde am Beispiel der slowakischen Karpaten und der österreichischen Alpen vergleichend untersucht, inwieweit die betroffenen Länder eine spezifische Regionalpolitik für diese Gebiete entwickelten. Dabei zeigte sich zunächst, wie lange noch agrarische Produktionslogiken vorherrschten. Beim Blick auf die seit den späten 1960er Jahren beginnende subventionsbasierte Bergbauernpolitik in Österreich erwies sich der Vergleich mit der kommunistischen Tschechoslowakei als besonders erkenntnisfördernd: So konnte herausgearbeitet werden, auf welche Weise unter staatssozialistischen Bedingungen phasenweise ganz ähnliche Ziele wie im Alpenraum verfolgt wurden. Die tschechoslowakische Perspektive eröffnete wiederum eine gute Vergleichsperspektive auf die Dynamik und Wandelbarkeit von Landschaftskonzepten, die eine neue Sichtweise auf Debatten im Alpenraum ermöglichte. In einem Folgeschritt wurde die Etablierung von Nationalparks in den Bergen analysiert: Dabei zeigte sich in beiden Fällen, wie sich der Gedanke des Naturschutzes über einen längeren Zeitraum transformierte. Zugleich konnte herausgearbeitet werden, wie sehr Nationalparks in ihrer Gründungsphase zu einem Steuerungselement regionaler Strukturpolitik wurden, das zum Aushandeln von Fragen des Naturschutzes und Landschaftserhalts, aber auch der Berglandwirtschaft und der Erschließungspolitik stellvertretend für Bergräume insgesamt diente. Trotz politisch bedingter Unterschiede in der regionalen Raumplanung zeigten sich in der Analyse in beiden Vergleichsfällen zwei ähnliche Phänomene: In einer ersten Phase herrschten großräumige Konzepte vor, die in einer zweiten Phase zunehmend komplexer in ihrer Ausgestaltung wurden. Seit den späten 1970er Jahren erkannten dann die Akteure der Raum- und Regionalplanung die Grenzen einer umfassenden Strukturpolitik für Berggebiete, weswegen verstärkt auf kleinräumige Lösungen gesetzt wurde. In Österreich beeinflussten dann Naturschutzproteste wie auch die stärkere Berücksichtigung lokaler Interessen die weitere Entwicklung, während in der Tschechoslowakei die Ebene von Experten stetig an Einfluss gewann. Als ein wesentliches Ergebnis kann zudem festgehalten werden, dass die strukturpolitischen Maßnahmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die von landwirtschaftlichen Abgrenzungen und Dotationen über Nationalparkgründungen bis zu umfassenden Raumplanungskonzepten reichten, in beiden Fällen dazu führten, dass die jeweiligen Berggebiete erstmals auch als spezifische Regionen abgegrenzt wurden, wodurch weitere Folgeeffekte (Landschaftsgestaltung, Formen der Bewirtschaftung) ausgelöst wurden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Die Landwirtschaft in den slowakischen und österreichischen Bergregionen. Akteur regionaler Transformation oder Problemfall in Nutzungskonflikten? In: Geschichte der Alpen – Histoire des Alpes – Storia delle Alpi 27 (2022), 83-97.
    Zückert, Martin
  • Strukturpolitik im Staatssozialismus. Ansätze und Grenzen regionaler Förderpolitik in den slowakischen Bergregionen (1948-1969). In: Westfälische Forschungen 72 (2022), 159-175.
    Zückert, Martin
  • Strach z divej prírody? Štrukturálna politika a ochrana prírody v rakúskych a slovenských horských oblastiach v období 1945 až 1989. In: Holec, Roman/Zückert, Martin (eds.): Environmentálne dejiny v stredoeurópskom kontexte. Košice 2023, 51-71.
    Zückert, Martin
 
 

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