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Kompatibilitätseffekte zwischen der physikalischen Größe von Reizobjekten und Reaktionspositionen.

Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 426561782
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In diesem Projekt sollten die Eigenschaften eines bisher wenig untersuchten Kongruenzeffekts zwischen der physikalischen Größe (von Reizen) und räumlichen Positionen (von Reaktionen) untersucht werden. Dieser SSARC-Effekt besteht darin, dass Menschen auf kleine Reize schneller mit der linken Hand und auf große Reize schneller mit der rechten Hand reagieren als umgekehrt. Die primären Ziele des Projekts bestanden darin, die Eigenschaften dieses Effekts aufzuklären, Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit anderen Effekten (z.B. SNARC, Simon) zu ermitteln sowie Erklärungsansätze zu prüfen. Unsere Untersuchungen zu den reizbezogenen Determinanten des Effekts haben gezeigt, dass der Effekt durch die relativen Größen der Reize im Kontext der Aufgabe entsteht. Untersuchungen zu den reaktionsbezogenen Determinanten des Effekts haben mehrere Belege dafür erbracht, dass die Hände eine besondere Rolle bei der Entstehung des SSARC-Effekts spielen. Zum ersten tritt der Effekt mit manuellen Reaktionen nur auf, wenn die Reaktionen mit verschiedenen Händen ausgeführt werden, während er ausbleibt, wenn verschiedene Finger derselben Hand benutzt werden. Und wenn die Reaktionen mit verschiedenen Händen ausgeführt werden, dann werden die Reaktionen eher handbezogen und nicht positionsbezogen kodiert. Schließlich wird der SSARC-Effekt durch die Händigkeit der Versuchspersonen beeinflusst. Diese Befunde kontrastieren mit denen zum SNARC- oder Simon-Effekt, bei denen eher eine positions- und keine effektor-bezogene Kodierung der Reaktionen dominiert. In einer weiteren Studie beobachteten wir einen Zusammenhang zwischen individuellen Kraftunterschieden zwischen den Händen auf der einen Seite und der Größe des individuellen SSARC-Effekts auf der anderen Seite. Diese (und weitere Beobachtungen) stützen eine Hypothese über die Entstehung des SSARC-Effekts, wonach Kraftunterschiede zwischen den Händen dazu geführt haben, dass kleinere (leichtere) Objekte eher mit der nicht-dominanten (meist linken) Hand und größere (schwerere) Objekte eher mit der dominanten (meist rechten) Hand ergriffen werden. Aus dieser Gewohnheit könnte sich der SSARC-Effekt entwickelt haben. Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die mit der Objektgröße korrelierte Dimension des Gewichts für den SSARC-Effekt keine große Rolle mehr spielt. Zur Rolle des Gewichts sollten aber noch weitere Studien durchgeführt werden. Insgesamt deuten die Ergebnisse des Projekts darauf hin, dass der SSARC-Effekt sich in einigen Merkmalen deutlich von anderen, scheinbar ähnlichen, Effekten wie dem SNARC- oder dem Simon-Effekt unterscheidet. Diese Heterogenität wiederum deutet auf unterschiedliche Ursprünge der Effekte hin, die mit unterschiedlichen Lernerfahrungen zu tun haben könnten. Gleichzeitig sind die Heterogenität der Effekte und die Hinweise auf unterschiedliche Ursprünge nur schwer mit der Idee eines generellen größenverarbeitenden Systems im Gehirn – im Sinne von ATOM – zu vereinbaren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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