Networks, Paradigms and Careers in the Academic Field: Sociology in Germany and the United States
Final Report Abstract
Im Zuge der Projektarbeiten konnten zahlreiche Erkenntnisse gewonnen sowie Konzepte ausdifferenziert und fortentwickelt werden. Insgesamt lässt sich in den USA ein quantitativer, d.h. ein in den letzten Jahren zunehmender Wettbewerb beobachten, während die deutsche Soziologie eine qualitative Transformation durchlief, die sich im stärkeren Eindringen der in den USA bereits konsolidierten Mechanismen des akademischen Kapitalismus niederschlägt. Angesichts anhaltender Pfadabhängigkeiten erweist sich die deutsche Soziologie jedoch insgesamt heute keineswegs als standardisierter und einheitlicher, vielmehr bringen die Einwirkungen des akademischen Kapitalismus eine zusätzliche Komplexitätssteigerung mit sich. In den USA ist das soziologische Feld – sowohl in institutioneller als auch fachkultureller Hinsicht – vergleichsweise stark integriert und wird von einem weitgehend homogenen wissenschaftlichen Mainstream geprägt. Wissenschaftliche Kontroversen und Diskussionen werden innerhalb eines einheitlichen professions-politisch gerahmten Diskurses behandelt, der verschiedene Praxisformen der Soziologie unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsteilung betrachtet, wobei die American Sociological Association gleichsam unisono als legitime Fachgesellschaft anerkannt wird. Eine strukturelle und intellektuelle Dominanz der Eliteuniversitäten trägt dazu bei, dass einige wenige Themen und methodische Ansätze das Feld nachhaltig prägen, was zugleich den Einfluss alternativer Ansätze begrenzt. Karrieren, i.d.R. mit dem Ziel entfristeter Professuren, können mit Blick auf klare strategische Stellschrauben hin geplant werden, wobei eben jene Klarheit mit großem und im Berichtszeitraum wachsenden Anforderungen einhergehen. Im Gegensatz dazu ist das soziologische Feld in Deutschland nach wie vor stärker polarisiert und es zeichnet sich durch lebhafte, anhaltende Konflikte aus. Dies trägt dazu bei, dass der akademische Diskurs in Deutschland offener und pluralistischer ist, wodurch sich unterschiedliche Theorien und Methoden stärker entfalten können. Die Existenz zweier soziologischer Fachgesellschaften reflektiert nicht nur eine methodische Trennung, sondern auch unterschiedliche wissenschaftliche Identitäten und Verständnisse davon, was als „gültige“ soziologische Forschung anzusehen ist und die Auseinandersetzungen um die Ressourcen des Feldes (was sich der auf die historischen „Streits“ abstellenden Perspektive regelmäßig entzieht). Auch Soziolog*innen von weniger prestigeträchtigen Universitäten können akademische Diskurse prägen und deren Nachwuchs hat durchaus Chancen auf Berufungen. In Deutschland hat sich aber zur traditionell zentralen Rolle der Netzwerke und des Netzwerkens sowie der Professorabilität, etwa die Orientierung an messbaren Kriterien hinzugesellt, was die strategische Ausgangssituation des wissenschaftlichen Nachwuchses – je nach Ort im Feld – bislang eher weiter verkompliziert. Neben den im Abschlussbericht hervorgehobenen und weiteren empirischen Einsichten vermochte es das Projekt insgesamt (weitgehend) unbekannte Datenprobleme aufzuzeigen und zu lösen, die blinden Flecken und Repräsentationseffekte von Literaturdatenbanken aufzuzeigen und so die Qualität jener Daten zu gewährleisten, die heutzutage vermehrt für die Untersuchung und Steuerung wissenschaftlicher Praxis herangezogen werden. Weiterhin wurden innovative Methoden und Methodenkombinationen (v.a. aktuelle Entwicklungen der GDA und der Netzwerkanalyse) mobilisiert, die in zukünftigen wissenschaftssoziologischen Untersuchungen fruchtbar gemacht werden sollten. Es wurde schließlich die theoretische Konzeption wissenschaftlicher Felder und Netzwerke systematisch fortentwickelt, wobei die Integration institutioneller und fachkultureller Mechanismen, die relative Konzeption von Paradigmen (Grad der Paradigmenhaftigkeit) sowie Homo- und Heterologie der Strukturen wissenschaftlicher Felder hervorzuheben sind.
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