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Plurale Protestantismen. Korrespondenzkultur und religiöse Gruppenbildung im frühen 18. Jahrhundert

Fachliche Zuordnung Frühneuzeitliche Geschichte
Evangelische Theologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 429838214
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt steht am Schnittpunkt von allgemeiner Geschichte der Frühen Neuzeit und evangelischer Kirchengeschichte. Es untersuchte religiöse Pluralität auf binnenkonfessioneller Ebene. Analysiert wurden Praktiken der Vergemeinschaftung innerhalb des deutschen Protestantismus um 1700. Quellenbasis waren umfangreiche Korrespondenzen aus Nachlässen dreier Theologen, die in der bisherigen Forschung unterschiedlichen theologischen bzw. frömmigkeitlichen Spektren mit beträchtlicher Außenwirkung zugeordnet wurden: der lutherischen Orthodoxie (E.S. Cyprian), der reformierten Irenik (D.E. Jablonski) und dem Halleschen Pietismus (A.H. Francke). Neu ist, Briefe als Quellen für Gruppenbildungsprozesse zu analysieren, und zwar sowohl entlang der Korrespondenzinhalte als auch der Korrespondenzpraktiken. Ziel war es, anhand der Briefwechsel von Theologen mit vermeintlich Gleichgesinnten zeitgenössische Vergemeinschaftungsprozesse protestantischer Binnengruppen zu erforschen, Kommunikationspraktiken herauszuarbeiten sowie Inklusions- und Exklusionsmechanismen zu analysieren. Im Ergebnis wurden die herkömmlichen Zuordnungen protestantischer Gruppierungen um 1700 („Lutherische Orthodoxie“, „Irenik“, „Pietismus“) als Produkte gelehrter (Streit-) Praktiken dekonstruiert. Weit stärker als bisher bekannt verschränkten sich religiöse Wahrheitsansprüche mit sozialen, geschlechtsspezifischen sowie alltagspraktischen Aspekten und asymmetrischer Machtverteilung. Erst dies trug zur Konstruktion unterschiedlicher Gruppenzuschreibungen innerhalb des Protestantismus bei, die nicht als statisch anzusehen sind, sondern als dynamisch und fluide. Im Projekt sind nicht allein zahlreiche neue Sachinformationen hinsichtlich der Sozialgruppe protestantischer Theologen um 1700 zutage gefördert und bislang unbekannte Quellen der Forschung bekannt gemacht worden. Inhaltlich und methodisch sind vor allem die Bedeutung und Grenzen brieflicher Kommunikation für religiös-soziale Gruppenbildung im protestantischen Mitteleuropa um 1700 herausgearbeitet worden. Damit trug das Projekt zur Grundlagenforschung innerhalb mehrerer geschichtswissenschaftlicher Teilbereiche bei (Religions-, Mobilitäts-, Kommunikations- und Sozialgeschichte). Die Analyse der Formierung religiöser Gemeinschaften innerhalb vermeintlich homogener konfessioneller Großgruppen und entlang lokaler und translokaler Verknüpfungen bietet wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Funktion und Vermittlung konkurrierender Wahrheitsansprüche in unterschiedlichen gesellschaftlichen Segmenten, auch über die untersuchte Zeit und Region hinaus. Projektergebnisse haben sich bislang in zehn (bereits erschienenen) internationalen Publikationen und 21 Vorträgen des Projektleiters Alexander Schunka und des Projektbearbeiters Sebastian Kühn niedergeschlagen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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