Reconstruktion mariner Sedimentationsraten im Ägäischen Meer während des Holozäns: Hinweise auf frühe anthropogene Umweltveränderungen?
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die Frage, in welchem Umfang frühe Kulturen ihre physische Umwelt veränderten, steht zunehmend im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Das Projekt hatte deshalb zum Ziel, potenzielle frühe menschliche Einflüsse auf Sedimentationsraten in vollmarinen, küstennahen Ablagerungsräumen der Ägäis während des Holozäns zu identifizieren. Der Küstenraum dieser Region beherbergt einen außergewöhnlich langen, sehr detaillierten Record prä–historischer und historischer Kulturen und ist deshalb für die vorgeschlagenen Untersuchungen ideal geeignet. Durch Radiokohlenstoff-Datierungen planktischer Foraminiferen wurden zeitlich hoch aufgelöste Altersmodelle für zwei Sedimentkerne generiert, die während FS-METEOR-Ausfahrt M144 (Heraklion–Catania, 12/2017–01/2018) geborgen wurden und das mittlere und späte Holozän umfassen. In Kern M144-5-6 (vor Skopelos) betragen die maximalen und minimalen Sedimentationsraten 0.13 bzw. 0.03 cm/Jahr. Kern M144-10-5 (vor Lesbos) zeigt maximale und minimale Sedimentationsraten von 0.04 bzw. 0.02 cm/Jahr. Diese Änderungen der Sedimentationsraten sind nur äußerst gering, weshalb die Hypothese, dass menschliche Aktivitäten eine Steigerung der Sedimentationsraten in vollmarinen Ablagerungsräumen der Ägäis während des Holozäns bedingt haben könnten, widerlegt werden kann.
