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Untersuchungen zum Ersatz von Lithiumcarbonat als Beschleuniger für Calciumaluminatzemente sowie Aufklärung des zugrundeliegenden Wirkmechanismus

Fachliche Zuordnung Baustoffwissenschaften, Bauchemie, Bauphysik
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 429917653
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Rahmen dieses Projekts wurde der hydratationsbeschleunigende Effekt von Biopolymeren, insbesondere Alginat, untersucht. Die ungewöhnliche Fähigkeit von Alginat, das Abbinden von CAC zu beschleunigen,beruht auf der Bindung von Calcium-Ionen aus der Porenlösung, was in OPC üblicherweise der Wirkmechanismus von Verzögerern ist und nicht von Beschleunigern. In einem ersten Schritt wurden verschiedene Biopolymere unterschiedlichster Herkunft (natürlich, halb-synthetisch und mikrobiell) bezüglich ihres Effekts auf das Abbinden von CAC getestet. Ebenso wurde die Struktur des Alginats derivatisiert und die Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Polymers getestet. Hierbei wurde festgestellt, dass zur Erzielung einer starken Beschleunigung das Polymer folgende Eigenschaften aufweisen muss: Eine hohe Molmasse, eine anionische Funktionalität und eine molekulare ‚Kavität‘, welche für eine starke Chelatisierung von Calcium verantwortlich ist. Nur wenn all diese Eigenschaften vorhanden sind, zeigt das Polymer die gewünschte Eigenschaft. Dieser beschleunigende Effekt zeigt sich in einer früheren Wärmefreisetzung (→ Abbinden) des Zements. Durch die vorzeitig einsetzende Reaktion kommt es zu einer erhöhten Frühfestigkeit im Mörtel. Die Wirksamkeit des Alginats kann mit der von Lithiumsalzen, welche aktuell als Beschleuniger für CAC eingesetzt werden und dringend für die Produktion von Batterien benötigt werden, in einem gewissen Konzentrationsbereich konkurrieren und dafür sorgen, dass Lithium in bestimmten Anwendungen reduziert werden kann. Die Untersuchung des Wirkmechanismus zeigte, dass in Gegenwart von Alginat die Hydratationsreaktion von CAC früher einsetzt und hierdurch die festigkeitsgebenden Reaktionsprodukte früherentstehen. Um die Kristallisation auf diese Art und Weise zu beeinflussen, fungiert das Biopolymer als heterogene Kristallisationsoberfläche für C-A-H-Phasen. Dies wird durch eine komplexe Interaktion mit den Ionen der Zementporenlösung bewerkstelligt: Anfangs bindet das Alginat Ca2+-Ionen, wodurch die negative Ladung der Carboxylat-Gruppen abgeschirmt wird, bis lokal eine partiell positive Ladung entsteht. Hierdurch kann nun das Aluminat-Ion [Al(OH)4]-mit Ca2+komplexieren, sodass beide Ionen entlang der Molekülkette / Polymeroberfläche angereichert und eine C-A-H-Phase vorstrukturiertwird. Dadurch wird die anfängliche Nukleation von C-A-H-Phasen und deren weiteres Kristallwachstum begünstigt. Im Rahmen dieses Projekts wurde abschließend der hydratationsbeschleunigende Effekt von feinen Füllstoffen untersucht. Dieser wurde bereits in einigen Publikationen erwähnt, aber ohne hier einen detaillierten Mechanismus zu untersuchen. Basierend auf den Erkenntnissen zum Wirkmechanismus des Alginats kamen wir zu dem Schluss, dass für diese Füllstoffe ebenfalls ein analoger Mechanismus vorliegt. Unter Zuhilfenahme von Füllstoffen konnten ebenfalls stark verbesserte Frühfestigkeiten erzielt werden, welche es ermöglichen, den Einsatz von Lithium-basierenden Beschleunigern zu reduzieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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